Porzellanmarken erkennen: Bodenmarken richtig lesen und datieren
Porzellanmarken erkennen Sie, indem Sie die Bodenmarke Stück für Stück lesen: Herstellerzeichen, Orts- oder Ländervermerk, Zusätze wie „Bavaria“ oder „West Germany“, Zahlen und Malerzeichen. Dieser Ratgeber erklärt, wie Unterglasur-, Aufglasur- und Prägemarken entstehen, wie Sie ein Stück grob datieren, woran Sie die Marken großer Manufakturen erkennen und wo Sie Hilfe bekommen.
Was steht auf dem Boden? Die Bestandteile einer Bodenmarke
Eine Porzellanmarke, auch Bodenmarke genannt, ist ein meist markenrechtlich geschütztes Zeichen auf der Unterseite, das den Hersteller kennzeichnet. Daneben finden Sie oft weitere Angaben, die bei der Einordnung helfen:
| Element | Was es verrät |
|---|---|
| Fabrikmarke | den Hersteller – als Zeichen, Monogramm oder Name; die am häufigsten gefälschte Angabe |
| Orts- oder Ländervermerk | Herkunft und grobe Datierung, etwa „Selb“, „Bavaria“ oder „Germany“ |
| Handelsmarke | Händler oder Auftraggeber, nicht unbedingt den Hersteller |
| Eigentumsmarke | den früheren Besitzer, etwa einen Hof, ein Hotel oder eine Kantine |
| Form- oder Modellnummer | die Form, manchmal mit Ziffer für die Größe |
| Dekorname oder -nummer | das Dekor auf der jeweiligen Grundform |
| Malerzeichen oder Malernummer | die Malerin oder den Maler; interne Nummern oft in Rot oder Gold |
| Qualitätszeichen | Ware zweiter Wahl, etwa „II. Wahl“ oder Schleifstriche durch die Marke |
| Schutzvermerk | Hinweise wie „Gesetzlich geschützt“, „Déposé“, „D.R.P.“ oder „DBP“ |
Seit dem Markenschutzgesetz von 1874 ließen viele Hersteller ihre Zeichen amtlich eintragen. Marken ab dieser Zeit sind deshalb meist gut dokumentiert und lassen sich einfacher zuordnen.
Unterglasur, Aufglasur oder eingeprägt: Wie wurde die Marke aufgebracht?
| Art | So erkennen Sie sie | Beispiele |
|---|---|---|
| Unterglasurmarke | liegt glatt unter der Glasur, lässt sich weder ertasten noch abkratzen; meist blau, grün oder schwarz | Meissener Schwerter, KPM-Zepter, Bindenschild von Augarten |
| Aufglasurmarke | liegt auf der Glasur, oft leicht fühlbar, kann sich abreiben; in Schmelzfarben oder Gold | Dekor- und Händlermarken, Marken von Porzellanmalereien |
| Prägemarke | in die weiche Masse gedrückt, als Vertiefung spürbar | Rautenschild von Nymphenburg, Meissener Jahreszeichen |
| Ritzmarke | mit einem Stichel in die Masse geritzt, unregelmäßige Linien | Meissener Formnummern |
| Stempel oder Abziehbild | gleichmäßig und scharf begrenzt, bei großen Stückzahlen üblich | Marken vieler Porzellanfabriken des 20. Jahrhunderts |
Streichen Sie mit der Fingerkuppe über die Marke: Eine leicht erhabene Marke liegt auf der Glasur, eine Vertiefung ist eingeprägt, eine völlig glatte Marke liegt darunter. Das ist mehr als ein Detail – Manufakturen wie Meissen und KPM markieren unter der Glasur. Eine Aufglasurmarke auf einem angeblichen Meissener Stück ist deshalb ein Warnsignal.
Bavaria, Germany, US-Zone, DDR: Was Ländervermerke verraten
Ländervermerke sind die einfachste Datierungshilfe. Sie grenzen den Zeitraum ein, ersetzen aber nicht den Vergleich mit den Marken des jeweiligen Herstellers.
| Vermerk | Ungefähre Zeit | Hintergrund |
|---|---|---|
| kein Ländervermerk | oft vor 1887/1891, aber nicht zwingend | viele Manufakturen markierten nur mit ihrem Zeichen |
| „Germany“ (auch mit vorangestelltem „Made in“) | nach 1887 bzw. 1891 | das britische Markengesetz von 1887 und das US-Zollgesetz ab 1891 verlangten eine Herkunftsangabe |
| „Bavaria“ | keine feste Zeit | steht für Bayern, nicht für einen Hersteller |
| „US-Zone“, „Germany US-Zone“ | 1945–1949 | Herstellung in der amerikanischen Besatzungszone, zu der Bayern gehörte |
| „West Germany“, „Western Germany“, „W. Germany“ | 1949–1990 | Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung |
| „Made in GDR“ und andere DDR-Vermerke | 1949–1990 | Ware aus der DDR, häufig für den Export |
| „D.R.P.“ | bis 1945 | Deutsches Reichspatent |
| „DBP“ | ab 1949 | Deutsches Bundespatent |
Die Regeln sind Faustregeln: Hersteller nutzten Marken unterschiedlich lange, und dieselbe Marke kommt in verschiedenen Farben vor. Mehr zu den Herstellern der DDR und ihren Marken lesen Sie im Ratgeber DDR-Porzellan und -Keramik.
Jahreszeichen und Zahlen: genauer datieren
Manche Hersteller verraten das Herstellungsjahr direkt am Boden. Diese Zeichen sollten Sie kennen:
- Meissen: Die Form der Schwerter verändert sich über die Jahrhunderte, seit 1948 kommt ein eingeprägtes Jahreszeichen hinzu – zuerst als Symbol, ab 1980 als Buchstabe.
- Rosenthal: Bei vielen Stücken kennzeichnen Buchstaben und Punkte an der Marke das Jahr; ein „E“ zwischen zwei Punkten steht zum Beispiel für 1928.
- KPM Berlin: Die Farbe des Reichsapfels neben dem Zepter zeigt die Art des Dekors, ein „S“ unter dem Zepter die Produktion in Selb nach dem Krieg.
- Form- und Dekornummern: Sie führen in den Katalogen der Hersteller zur genauen Form und zum Zeitraum, in dem ein Dekor angeboten wurde.
- Schutzvermerke: „D.R.P.“ spricht für die Zeit vor 1945, „DBP“ für die Zeit nach 1949.
Typische Bodenmarken großer Hersteller
| Hersteller | Marke | Datierungshilfe |
|---|---|---|
| Meissen | gekreuzte Schwerter in Unterglasurblau | Punkt zwischen den Griffen 1763–1774, Stern 1774–1814, Knäufe um 1850–1924, Punkt zwischen den Klingen 1924–1934, Jahreszeichen ab 1948 |
| KPM Berlin | blaues Zepter unter der Glasur | Reichsapfel als Malereimarke seit 1803, Buchstaben KPM ab 1837, „S“ für die Selber Zeit |
| Nymphenburg | eingepresster Rautenschild, seit 1754 | heute zusätzlich grüner Stempel mit „Nymphenburg 1747“ |
| Fürstenberg | blaues F, seit 1753 | heute mit Krone |
| Augarten Wien | blauer Bindenschild | heutige Manufaktur seit 1923 |
| Royal Copenhagen | drei Wellenlinien | Manufaktur seit 1775 |
| Rosenthal | Schriftzug „Rosenthal“, oft mit Krone und „Selb“ oder „Germany“ | Jahreskennzeichnung mit Buchstaben und Punkten |
| Hutschenreuther | Firmenname mit „Hohenberg“ (C. M. Hutschenreuther, ab 1822) oder „Selb“ (Lorenz Hutschenreuther, ab 1857) | häufig mit „Bavaria“ |
| Arzberg | Schriftzug „Arzberg“, ab 1928 | bis 1946 mit Krone, Wappen und „Bavaria“ |
| Seltmann Weiden | Schriftzug „Seltmann Weiden“ | meist mit „Bavaria“ |
| Villeroy & Boch | Firmenname, oft mit Werksort wie Mettlach | Material prüfen: viele Serien sind Steingut |
Ausführlich mit Beispielen und Datierungstabellen stellen wir die Marken in eigenen Ratgebern vor: Meissener Porzellan und die Schwertermarke, KPM Porzellan und Rosenthal Porzellan.
Was bedeutet „Bavaria“ auf Porzellan?
„Bavaria“ ist der lateinische Name für Bayern. Der Zusatz sagt nur, dass das Stück aus Bayern stammt – vor allem aus Oberfranken und der Oberpfalz, wo sich rund um Selb, Hohenberg, Arzberg, Schirnding, Marktredwitz, Tirschenreuth, Waldsassen und Weiden zahlreiche Porzellanfabriken ansiedelten. Wer das Stück hergestellt hat, verrät erst der Firmen- oder Ortsname daneben, etwa „Seltmann Weiden“, „Hutschenreuther Selb“ oder „Arzberg“.
Welche Marken hinter diesen Namen stehen, beschreibt der Ratgeber Europäische Porzellanmarken; die Region selbst können Sie im Porzellanikon in Selb und entlang der Porzellanstraße erkunden.
Fälschungen und irreführende Marken
Gefälscht wurden vor allem teure, beliebte Marken – allen voran die Meissener Schwerter. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- Die Marke liegt auf der Glasur, obwohl der Hersteller unter der Glasur markiert.
- Marke, Form und Dekor passen zeitlich nicht zusammen, etwa eine Marke des 18. Jahrhunderts auf einer Form des 20. Jahrhunderts.
- Nur Buchstaben statt Zeichen: Die Buchstaben KPM etwa nutzte schon Meissen in den 1720er-Jahren, und auch andere Hersteller verwendeten das Kürzel – das Berliner Erkennungszeichen ist das Zepter.
- Dekor und Marke stammen von verschiedenen Stellen: Porzellanmalereien bemalten weißes Porzellan anderer Hersteller. Die Fabrikmarke ist dann echt, die Malerei aber nicht aus der Manufaktur.
- Fantasiemarken: Asiatische Geschenkware mit erfundenen Marken wird gelegentlich als Sammlerstück angeboten. Echte ostasiatische Marken erklärt der Ratgeber Chinesisches und japanisches Porzellan erkennen.
- Schleifstriche durch die Marke bedeuten keine Fälschung, sondern zweite oder schlechtere Wahl – oder bei Meissen auch unbemalt verkaufte Weißware.
Porzellanmarken erkennen: Schritt für Schritt
- 1. Licht und Lupe: Betrachten Sie den Boden bei Tageslicht mit einer Lupe.
- 2. Fotografieren: Machen Sie scharfe Fotos von Marke, Zahlen, Vorder- und Rückseite.
- 3. Notieren: Schreiben Sie alle Zeichen, Wörter und Nummern genau ab, auch Zusätze wie „Bavaria“ oder „II. Wahl“.
- 4. Technik bestimmen: Liegt die Marke unter oder auf der Glasur, ist sie eingeprägt oder geritzt?
- 5. Vergleichen: Nutzen Sie Markenlexika, Online-Datenbanken für Porzellan- und Keramikstempel, digitalisierte Museumssammlungen wie museum-digital und die Archive von Auktionshäusern.
- 6. Stimmigkeit prüfen: Passen Form, Dekor, Malweise und Scherben zur Zeit, die die Marke nahelegt?
- 7. Fachleute fragen: Bei wertvollen Stücken helfen die Expertisentage des Porzellanikons, der Kundenservice großer Manufakturen oder ein Auktionshaus.
Auf neuerem Geschirr stehen neben der Herstellermarke oft Symbole für Spülmaschine, Mikrowelle oder Backofen. Was diese Zeichen bedeuten, erklärt der Ratgeber Symbole auf Geschirr.
Neues Porzellan für jeden Tag
Ob Erbstück oder Flohmarktfund – altes Porzellan erzählt Geschichten. Für den täglichen Gebrauch darf es unkompliziert sein: Unser weißes Porzellan ist dünnwandig, lichtdurchlässig, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet, in Porzellanweiß und mit Seladon-Glasur, etwa als Porzellantassen mit Untertasse.
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, von welchem Hersteller mein Porzellan ist?
Lesen Sie die Bodenmarke vollständig – Zeichen, Firmen- und Ortsname, Zusätze und Zahlen – und vergleichen Sie sie mit Markenlexika, Online-Datenbanken oder Museumssammlungen. In schwierigen Fällen helfen Expertisentage oder Auktionshäuser.
Was bedeutet „Bavaria“ auf Porzellan?
„Bavaria“ steht für Bayern, nicht für einen Hersteller. Wer das Stück gefertigt hat, verrät der Firmen- oder Ortsname neben dem Schriftzug.
Was bedeutet „West Germany“ auf Porzellan?
Das Stück stammt aus der Bundesrepublik vor der Wiedervereinigung, also ungefähr aus den Jahren 1949 bis 1990.
Was bedeutet „US-Zone“ auf Porzellan?
Das Stück wurde zwischen 1945 und 1949 in der amerikanischen Besatzungszone hergestellt, zu der auch Bayern mit seinen vielen Porzellanfabriken gehörte.
Wie erkenne ich, ob eine Marke unter der Glasur liegt?
Eine Unterglasurmarke ist völlig glatt und lässt sich weder ertasten noch abkratzen. Aufglasurmarken sind oft leicht fühlbar und können sich abreiben, Prägemarken spüren Sie als Vertiefung.
Was bedeuten Striche durch die Bodenmarke?
Meist sind es Schleifstriche, die Ware zweiter oder schlechterer Wahl kennzeichnen. Bei Meissen markierte ein Strich auch unbemalt verkaufte Weißware.
Gibt es eine Datenbank für Porzellan- und Keramikstempel?
Ja, neben Markenlexika in Buchform gibt es Online-Datenbanken mit Abbildungen von Porzellan- und Keramikstempeln. Ergänzend helfen digitalisierte Museumssammlungen und die Archive von Auktionshäusern.
Was bedeutet „Made in GDR“ auf Porzellan?
Das Stück stammt aus der DDR und entstand zwischen 1949 und 1990, häufig als Exportware.







