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Porzellan: Marken & Sammeln

Villeroy & Boch Geschirr: Geschichte, Bodenstempel und bekannte Serien

PureKeramik Manufaktur · · 7 Min. Lesezeit

Villeroy & Boch Geschirr hat seine Wurzeln im Jahr 1748, als der Eisengießer François Boch in Lothringen mit seinen drei Söhnen begann, Keramikgeschirr herzustellen; 1836 schlossen sich die Unternehmen Boch und Villeroy zusammen. Hier lesen Sie, wie Sie Werk und Alter am Bodenstempel ablesen, welche Serien es gibt und worauf Sie beim Kauf und Verkauf von gebrauchtem Geschirr achten.

Villeroy & Boch Geschirr: Geschichte in Daten

Villeroy & Boch ist aus zwei Familienbetrieben im Grenzland von Lothringen, Luxemburg und dem Saarland entstanden. Wer die Stationen kennt, versteht auch die vielen Ortsnamen in den Bodenstempeln:

JahrEreignis
1748François Boch beginnt mit seinen drei Söhnen in Audun-le-Tiche (Deutsch-Oth) in Lothringen, Keramikgeschirr herzustellen – das Gründungsjahr der Marke.
1766Pierre-Joseph Boch erhält die Erlaubnis für eine Manufaktur in Septfontaines bei Luxemburg.
um 1770Die Brüder Boch tragen erstmals einen kleinen kobaltblauen Blütenzweig auf Steingut auf – der Ursprung von Vieux Luxembourg (Alt Luxemburg).
1791Nicolas Villeroy übernimmt eine Steingutfabrik in Wallerfangen (Vaudrevange).
1809Jean-François Boch kauft die ehemalige Benediktinerabtei in Mettlach an der Saar und richtet dort eine weitgehend mechanisierte Geschirrfabrik ein. Die Alte Abtei ist bis heute Konzernsitz.
1836Am 14. April schließen sich die Unternehmen Boch und Villeroy zu Villeroy & Boch zusammen.
1852Fliesen aus Mettlach, die Mettlacher Platten, werden zum weltweiten Erfolg.
1856Gründung einer Steingutfabrik in Dresden.
1879Werk in Merzig für Terrakotta und Bodenfliesen.
1883–1912Die Schramberger Majolikafabrik im Schwarzwald gehört als Tochter zum Unternehmen.
1927Das Steingutwerk Torgau nimmt die Produktion auf.
1976Übernahme der Porzellanfabrik Heinrich in Selb.
1990Börsengang; Villeroy & Boch übernimmt das VEB Steingutwerk Torgau.
2024Übernahme der Ideal-Standard-Gruppe (Bad und Sanitär).

Im späten 19. Jahrhundert war Villeroy & Boch zudem Weltmarktführer für aufwendig dekorierte Steinzeughumpen, die unter dem Namen „Mettlach“ verkauft wurden. Aus Mettlach stammt auch das Phanolith, ein halbtransparentes Porzellan des späten 19. Jahrhunderts.

Bodenstempel: So bestimmen Sie Werk und Alter

Villeroy & Boch hat über die Jahrhunderte zahlreiche Stempel verwendet, je nach Werk, Material und Exportland. Diese Merkmale helfen beim Einordnen:

Merkmal auf dem BodenWas es bedeutet
Ortsname wie Mettlach, Wallerfangen, Dresden, Septfontaines oder Torgaunennt das Werk, in dem das Stück entstanden ist
eingeprägtes „Mettlach“ oder erhabenes „Mettlach VB“Markenkatalogen zufolge um 1900 oder früher
„V&B M“ über einem Wappenschildetwa 1890–1920
„V&B“ im Kreis über einem „M“, mit englischer Herkunftsangabeetwa 1913–1947
„1748“ im LogoGründungsjahr der Marke – kein Herstellungsjahr
Serienname im Stempel, etwa Vieux Luxembourg oder Design Naifneuere Produktion; der Name erleichtert die Suche nach Ergänzungsteilen
goldener Bodenstempel mit JahreszahlJahresstück der Annual Christmas Edition, aufs Jahr genau datierbar
eingeschliffene Striche durch den StempelWare zweiter Wahl

Die Zeitangaben stammen aus Markenkatalogen und sind Richtwerte. Bei wertvoll wirkenden Stücken vergleichen Sie den Stempel mit mehreren Abbildungen, bevor Sie ein Alter angeben. Wie Sie Marken grundsätzlich lesen, zeigt der Ratgeber Porzellanmarken erkennen.

Porzellan oder Steingut? Das Material erkennen

Villeroy & Boch hat lange vor allem Steingut produziert, heute bestehen viele Kollektionen aus Porzellan, das der Hersteller als Premium Porcelain bezeichnet. Für Pflege und Wert macht das einen Unterschied:

  • Gegenlicht: Dünnes Porzellan schimmert durch, Steingut bleibt undurchsichtig.
  • Unglasierte Stellen: Porzellan ist dort weiß, glatt und dicht. Der Scherben von Steingut ist porös – ein Wassertropfen zieht ein.
  • Glasur: Feine Netzrisse in der Glasur (Craquelé) sind bei altem Steingut häufig. Dringt Feuchtigkeit ein, verfärbt sich der Scherben darunter.
  • Klang: Porzellan klingt beim Anschnippen hell, Steingut dumpfer.

Mehr zu den Werkstoffen lesen Sie im Beitrag Unterschied zwischen Keramik und Porzellan; warum Glasuren reißen, erklärt der Ratgeber Haarrisse in Keramik.

Bekannte Villeroy & Boch Serien

Das aktuelle Sortiment umfasst Dutzende Kollektionen. Eine Auswahl bekannter Serien:

SerieTypischGut zu wissen
Vieux Luxembourg (Alt Luxemburg)feine kobaltblaue Blütenranke auf Weißgeht auf das Dekor um 1770 zurück, heute aus Porzellan, laut Hersteller spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet
Design NaifLandschaftsmotive im naiven StilEntwürfe des korsischen Künstlers Gérard Laplau
French Gardengeblümtes Porzellan im französischen Landhausstillässt sich gut mit schlichtem weißem Geschirr kombinieren
Petite FleurDekor mit heimischen Blütenklassisches Blumendekor für den Alltag
NewWaveasymmetrische, quadratische Formen mit Wellenschwungdie Espressotassen wurden mit dem Innovationspreis der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet
Annual Christmas Editionjedes Jahr ein neues Weihnachtsmotivlimitierte Sammelstücke mit goldenem Bodenstempel; Formen nach Toy's Delight
Château Septfontaines, Kreuzband SeptfontainesSerien mit dem Namen des historischen Standorts bei Luxemburgaktuell im Sortiment

Nicht mehr im aktuellen Sortiment sind ältere Dekore wie Acapulco, Burgenland oder Botanica, die gebraucht gehandelt werden. Wer ein solches Service ergänzen möchte, sucht gezielt nach dem Dekornamen und vergleicht Form und Tellergröße. Wie Sie verschiedene Serien und Farben stimmig mischen, zeigt der Ratgeber Geschirr kombinieren.

Gebrauchtes Geschirr kaufen und verkaufen

Villeroy & Boch ist weit verbreitet und wird entsprechend oft gebraucht angeboten. Das erleichtert Ergänzungen, und gängige Alltagsservices sind meist günstig zu haben. Beim Kauf achten Sie auf:

  • Stempel und Dekorname: Erst prüfen, ob Form und Dekor zu Ihrem Service passen – Varianten mit ähnlichem Muster gibt es oft.
  • Zustand: Abplatzer am Rand, Netzrisse in der Glasur, Besteckspuren und verblasste Goldränder fotografieren lassen.
  • Größen: Tellerdurchmesser in Zentimetern vergleichen, weil sich Formen im Lauf der Jahre geändert haben.
  • Zweite Wahl: Striche durch den Stempel mindern den Wiederverkaufswert.

Wer verkauft, fotografiert Stempel, Einzelteile und das komplette Service, nennt Serie und Teilezahl im Anzeigentitel und orientiert sich an tatsächlich verkauften Angeboten. Für gesuchte Sammelstücke wie alte Mettlacher Humpen ist ein Auktionshaus mit Keramikabteilung die bessere Adresse als eine Kleinanzeige. Mehr Verkaufswege beschreibt der Ratgeber Sammelporzellan kaufen und verkaufen.

Neuware aus laufenden Kollektionen bietet Villeroy & Boch auch im eigenen Outlet in Mettlach und im Onlinebereich „Letzte Chance“ an – praktisch, wenn Einzelteile einer Serie bald auslaufen.

Ist Villeroy & Boch spülmaschinenfest?

Villeroy & Boch empfiehlt die Spülmaschine für Porzellan, das als spülmaschinenfest gekennzeichnet ist, und Handwäsche für empfindliche Stücke. In der Praxis heißt das:

  • Neuere Porzellankollektionen: Symbol auf dem Boden oder Produktangabe prüfen, dann in die Maschine.
  • Gold- und Platinränder, ältere Aufglasurdekore und Jahresstücke: von Hand spülen und nicht in die Mikrowelle stellen.
  • Altes Steingut mit Netzrissen: kurz von Hand spülen und nicht einweichen, damit kein Wasser in den Scherben zieht.
  • Graue Striche vom Besteck lassen sich mit einer Paste aus Natron und Wasser entfernen.

Weitere Tipps finden Sie in den Ratgebern Porzellan in Spülmaschine und Mikrowelle und Besteckspuren entfernen.

Mettlach besuchen: Alte Abtei und Keramikmuseum

In Mettlach an der Saar können Sie die Geschichte von Villeroy & Boch vor Ort erleben. Im Erlebniszentrum der Alten Abtei zeigt das Keramikmuseum seit 2002 in neuer Präsentation Keramik aus vier Jahrhunderten. Das Museumscafé ist mit handbemalten Fliesen ausgestattet und dem historischen Dresdner Milchladen nachempfunden. Weitere Ziele für einen Ausflug finden Sie im Beitrag Keramik- und Porzellanmuseen in Deutschland.

Häufige Fragen

Wie alt ist mein Villeroy & Boch Geschirr?

Den Zeitraum verraten Stempelform und Ortsname. Ein eingeprägtes „Mettlach“ deutet auf die Zeit um 1900 oder früher hin, ein Serienname im Stempel auf neuere Produktion. Die Jahreszahl 1748 im Logo ist das Gründungsjahr der Marke.

Ist Villeroy und Boch Geschirr spülmaschinenfest?

Neuere Porzellankollektionen meist ja – Vieux Luxembourg etwa ist laut Hersteller spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Stücke mit Goldrand, Jahresstücke und altes Steingut spülen Sie besser von Hand.

Was ist Alt Luxemburg?

Alt Luxemburg, heute Vieux Luxembourg, ist eines der ältesten Dekore von Villeroy & Boch: eine feine kobaltblaue Blütenranke, die auf einen Blütenzweig der Brüder Boch um 1770 zurückgeht. Die Serie ist weiterhin erhältlich.

Ist Villeroy & Boch Porzellan oder Keramik?

Beides: Porzellan ist eine Form der Keramik. Viele heutige Kollektionen bestehen aus Porzellan, ältere Stücke häufig aus Steingut, das im Gegenlicht nicht durchscheint.

Was ist altes Villeroy & Boch Geschirr wert?

Gängige Alltagsservices werden in großen Mengen gebraucht angeboten und erzielen meist nur einen Teil des früheren Neupreises. Gefragter sind gut erhaltene ältere Sammelstücke wie Mettlacher Humpen; maßgeblich sind tatsächlich verkaufte Vergleichsstücke.

Wo kann ich Villeroy & Boch Einzelteile nachkaufen?

Teile laufender Kollektionen gibt es bei Villeroy & Boch, auch im Outlet in Mettlach. Für ausgelaufene Dekore suchen Sie auf dem Gebrauchtmarkt gezielt nach Serienname und Tellergröße.

Was bedeutet „Mettlach“ auf dem Boden?

Mettlach an der Saar ist seit 1809 Standort der Familie Boch und heute Konzernsitz von Villeroy & Boch. Der Ortsname im Stempel nennt das Werk; eingeprägte Mettlach-Marken stammen meist aus der Zeit um 1900 oder früher.

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