DDR-Porzellan und -Keramik: Hersteller, Dekore und was sie wert sind
DDR Porzellan stammt vor allem aus Thüringen und Sachsen. Nach 1945 wurden die Betriebe verstaatlicht; bis 1979 gehörten 17 Porzellanwerke mit 18.000 Beschäftigten zum Kombinat Feinkeramik Kahla. Hier lesen Sie, welche Hersteller es gab, woran Sie DDR-Porzellan und -Keramik am Boden erkennen, welche Formen und Dekore bekannt sind und was die Stücke heute wert sind.
DDR Porzellan: die wichtigsten Hersteller
Thüringen und Sachsen waren schon vor 1945 Zentren der Porzellanherstellung. In der DDR wurden die Fabriken in volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt und später in Kombinaten zusammengefasst. Wichtigster Verbund war das VEB Kombinat Feinkeramik Kahla; aus dem Kahlaer Werk ging die Hälfte der Produktion in den Export, in mehr als 30 Länder Ost- und Westeuropas.
| Hersteller | DDR-Zeit | Nach 1990 |
|---|---|---|
| Kahla (Thüringen) | gegründet 1844; ab 1952 VEB, ab 1979 VEB Vereinigte Porzellanwerke Kahla und Sitz des Kombinats | 1993 Konkurs, 1994 Neustart als Kahla/Thüringen Porzellan; nach der Insolvenz 2020 als Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen weitergeführt |
| Colditz (Sachsen) | ab 1958 Porzellan im VEB Colditzer Porzellanwerk, zuvor lange Steingut; ein großer Teil des Mitropa-Geschirrs stammt von hier | die Porzellanherstellung überstand die Jahre nach 1990 nicht |
| Freiberg (Sachsen) | ab 1947 VEB Porzellanwerk Freiberg: Haushaltsserien und technisches Porzellan, ab 1966 das feuerfeste Kochgeschirr „Cordoflam“ | Werk um 2000 geschlossen; seit 2000 Freiberger Porzellan GmbH |
| Lichte (Thüringen) | ab 1948 Zierporzellanwerk Lichte (VEB): Figuren und Zierporzellan | nach mehreren Insolvenzen bis 2014 Produktion eingestellt |
| Wallendorf (Lichte, Thüringen) | gegründet 1764; VEB Wallendorfer Porzellanfabrik, Figuren nach Vorlagen bekannter Bildhauer | 2019 Insolvenzverfahren |
| Ilmenau (Thüringen) | 1973 alle Ilmenauer Fabriken im Neuen Porzellanwerk Ilmenau vereint, Markenname Graf von Henneberg; ab 1979 im Kombinat Kahla, 1980 über 3000 Beschäftigte | Produktion in Ilmenau 2002 eingestellt |
| Meissen (Sachsen) | nach dem Krieg sowjetische Aktiengesellschaft, ab 1950 volkseigener Betrieb und einer der wenigen profitablen Betriebe der DDR | seit 1991 Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH im Besitz des Freistaats Sachsen |
| Weißwasser (Sachsen) | Porzellanwerk, von 1945 bis 1991 volkseigener Betrieb | 1991 geschlossen |
| Torgau (Sachsen) | VEB Steingutwerk Torgau: Steingutgeschirr für den Alltag | 1990 von Villeroy & Boch übernommen |
Kleinere Thüringer Zierporzellanmanufakturen wie Scheibe-Alsbach gehörten von 1972 bis 1990 zum VEB Vereinigte Zierporzellanwerke Lichte; Scheibe-Alsbach, Unterweißbach und die Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur gehören seit den 1990er Jahren zu Seltmann Weiden. Mehr zu heutigen Marken wie Kahla und Seltmann lesen Sie im Beitrag Europäische Porzellanmarken, zur Geschichte der Meissener Manufaktur im Ratgeber Meissener Porzellan.
Bekannte Formen, Dekore und Designer
Die DDR hatte eigene Gestalter, deren Formen in großen Serien produziert wurden. Einige Namen, die Ihnen in Katalogen und Sammlungen begegnen:
- Freiberg: die Serviceformen Gloria (Karl Dressler), Classic und Fashion (Dietmar Menzer), Madeleine (Bärbel Thoelke), Julia (Ilse Decho), Diamant (Astrid Löffler) und Poesie (Jutta Schulz).
- Mitropa und Hotelgeschirr: Margarete Jahny (1923–2016), laut dem Designhistoriker Günter Höhne die erste studierte Industriedesignerin der DDR, entwarf das Hotelgeschirr Rationell und Geschirrserien für die Mitropa, die in der DDR Speisewagen und Bahnhofsgaststätten betrieb.
- Wallendorf: Figuren nach Vorlagen von Walter Arnold, Waldemar Grzimek, Walter Howard, Rudolf Oelzner und Alfred Thiele, bewusst zu niedrigen Preisen für breite Käuferschichten.
- Zwiebelmuster: Das Dekor stammt von 1739 aus Meissen. Weil ein Gericht es 1926 für gemeinfrei erklärte, findet man es auch auf Geschirr anderer Hersteller.
- Freiberg: Das feuerfeste Kochgeschirr „Cordoflam“ kam 1966 auf den Markt.
Weil die Werke in großen Stückzahlen für Inland und Export produzierten, sind Services aus Kahla, Colditz oder Freiberg bis heute in vielen Haushalten und auf Flohmärkten zu finden.
DDR Keramik: Bürgel, Haldensleben und Strehla
Neben Porzellan entstand in der DDR Keramik mit kräftigen Glasuren. Am bekanntesten ist die Bürgeler Keramik aus Thüringen: Gefäße meist in Dunkelblau mit weißen Punkten. In Bürgel ist das Töpferhandwerk seit 1660 belegt; Anfang des 20. Jahrhunderts gaben Henry van de Velde und Emmy von Egidy den Werkstätten neue Impulse, Bürgel wurde zu einem Ort der Jugendstil- und Bauhauskeramik.
In der DDR war Bürgeler Keramik ein Exporterfolg, wurde bei Staatsempfängen verwendet und galt als Luxusware, die für viele Bürger schwer zu bekommen war. Mit Bürgel verbunden ist der Töpfermeister Walter Gebauer (1907–1989), einer der einflussreichsten Keramiker der DDR. Heute arbeiten in Bürgel rund zehn Werkstätten; jedes Jahr Ende Juni findet ein Töpfermarkt statt, und das Keramik-Museum Bürgel zeigt die Geschichte in wechselnden Ausstellungen. Weitere Märkte finden Sie im Ratgeber Töpfermärkte in Deutschland.
Zierkeramik und Vasen mit kräftigen Glasuren stellten auch VEB Haldensleben und die Keramik aus Strehla her – das ostdeutsche Gegenstück zur westdeutschen Fat-Lava-Keramik, über die Sie im Beitrag Fat Lava Keramik mehr erfahren.
DDR Keramik Marken und Bodenstempel erkennen
Viele Firmennamen gab es schon vor 1945 und nach 1990. Ob ein Stück aus der DDR stammt, zeigen deshalb Zusätze und Details:
| Merkmal | Was es bedeutet |
|---|---|
| „VEB“ im Stempel | volkseigener Betrieb – das Stück ist zwischen 1945 und 1990 entstanden |
| „GDR“ oder „Made in GDR“ | Exportware aus der DDR |
| „cp“ | Herstellerlogo des Porzellanwerks Colditz, häufig auf Mitropa-Geschirr |
| Mitropa-Schriftzug | Geschirr aus Speisewagen und Bahnhofsgaststätten |
| Wallendorfer „W“ unter einer Helmkrone mit der Jahreszahl 1764 | Marke, die 200 Jahre nach der Gründung eingeführt wurde – das Stück ist also nach 1964 entstanden |
| „Graf von Henneberg“ | Ilmenauer Porzellan; der Markenname wird seit 1935 verwendet |
| Preisschild mit „EVP“ | Einzelhandelsverkaufspreis – typisch für Ware aus dem DDR-Handel |
| eingeschliffene Striche durch die Marke | zweite Wahl |
Wie Sie Bodenmarken grundsätzlich lesen und vergleichen, zeigt der Ratgeber Porzellanmarken erkennen. Ob ein Stück aus Porzellan, Steingut oder Keramik besteht, prüfen Sie im Gegenlicht: Nur Porzellan schimmert durch. Mehr dazu im Beitrag Unterschied zwischen Keramik und Porzellan.
Was ist DDR Porzellan heute wert?
Eine Preisliste gibt es nicht. Weil die großen Werke für Inland und Export in Serie produzierten, ist Alltagsgeschirr heute reichlich vorhanden und meist günstig zu haben. Entscheidend sind Seltenheit, Zustand, Vollständigkeit und Nachfrage:
| Stück | Einschätzung |
|---|---|
| Haushaltsservices mit Druckdekor aus Kahla, Colditz oder Freiberg | meist geringer Sammlerwert, vor allem Gebrauchswert und Erinnerungswert |
| komplette Services in neuwertigem Zustand | verkaufen sich besser als Einzelteile, besonders mit Kanne, Zuckerdose und Milchkännchen |
| Figuren nach Entwürfen namentlich bekannter Bildhauer | interessanter für Sammler, wenn Marke und Künstler eindeutig sind |
| Bürgeler Keramik aus der DDR-Zeit | bekannte, gut zu erkennende Ware; der Zustand der Glasur entscheidet |
| Mitropa-Geschirr mit Schriftzug | an Logo und Herkunft leicht zuzuordnen |
| Meissen aus der DDR-Zeit | eigener Markt mit eigenen Preisen; Marke und Malerei genau prüfen |
Für eine realistische Einschätzung vergleichen Sie tatsächlich verkaufte Stücke mit gleicher Form, gleichem Dekor und ähnlichem Zustand. Laufende Angebote mit hohen Wunschpreisen sagen wenig über den Markt.
DDR-Porzellan kaufen und verkaufen
- Fotografieren Sie Boden, Marke und jedes Teil einzeln, dazu das Service als Gruppe.
- Nennen Sie Hersteller, Form und Dekor im Titel, etwa „Freiberg Form Gloria“ oder „Colditz Mitropa“.
- Zählen Sie die Teile und geben Sie Tellerdurchmesser und Tassenhöhe in Zentimetern an.
- Beschreiben Sie Abplatzer, Haarrisse, abgeriebene Goldränder und Besteckspuren offen.
- Für Alltagsservices eignen sich Kleinanzeigen und Flohmärkte, für Figuren und besondere Stücke Auktionshäuser oder Fachhändler.
Weitere Tipps zu Verkaufswegen finden Sie im Ratgeber Sammelporzellan kaufen und verkaufen.
DDR Porzellan pflegen und benutzen
Unbemaltes Porzellan und Stücke mit Unterglasurdekor vertragen in der Regel die Spülmaschine. Für Gold- und Platinränder, Aufglasurdekore und Figuren gilt dagegen: von Hand spülen, nicht in die Mikrowelle stellen und keine Scheuermittel verwenden. Altes Steingut mit feinen Netzrissen in der Glasur kurz spülen und nicht einweichen. Mehr dazu im Ratgeber Porzellan in Spülmaschine und Mikrowelle.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich DDR Porzellan?
An Zusätzen im Stempel wie „VEB“, „GDR“ oder „Made in GDR“, an typischen Marken wie „cp“ aus Colditz und an Herstellern wie Kahla, Freiberg, Lichte, Wallendorf oder Ilmenau. Ein Preisschild mit „EVP“ ist ein weiterer Hinweis.
Was bedeutet „cp“ auf dem Boden?
„cp“ ist das Herstellerlogo des Porzellanwerks Colditz in Sachsen. Colditz stellte einen großen Teil des Mitropa-Geschirrs her, das in Speisewagen und Bahnhofsgaststätten verwendet wurde.
Was ist DDR Porzellan heute wert?
Alltagsservices wurden in großen Stückzahlen hergestellt und sind meist günstig zu haben. Interessanter sind seltene Figuren, gut erhaltene Bürgeler Keramik und komplette Services in neuwertigem Zustand; maßgeblich sind tatsächlich verkaufte Vergleichsstücke.
Was ist Bürgeler Keramik?
Keramik aus Bürgel in Thüringen, meist dunkelblau mit weißen Punkten. In der DDR war sie Exportware und wurde bei Staatsempfängen verwendet; heute arbeiten in Bürgel rund zehn Werkstätten.
Welche Porzellanwerke gab es in der DDR?
Unter anderem Kahla, Colditz, Freiberg, Lichte, Wallendorf, Ilmenau (Graf von Henneberg), Weißwasser und die Manufaktur Meissen. Bis 1979 gehörten 17 Porzellanwerke zum Kombinat Feinkeramik Kahla.
Gibt es Kahla Porzellan noch?
Ja. Nach Konkurs 1993 und Insolvenz 2020 wird das Werk in Kahla als Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen weitergeführt; 2024 feierte es sein 180-jähriges Bestehen.
Was ist Mitropa-Geschirr?
Geschirr der Mitropa, die in der DDR Speisewagen und Bahnhofsgaststätten betrieb. Es trägt meist den Mitropa-Schriftzug; ein großer Teil stammt aus dem Porzellanwerk Colditz.







