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Merkliste

Porzellan: Marken & Sammeln

Porzellanmarken aus Europa: Kahla, Eschenbach, Goebel, Arzberg und Limoges

PureKeramik Manufaktur · · 7 Min. Lesezeit

Porzellanmarken aus ganz Europa begegnen Ihnen im Küchenschrank, auf Flohmärkten und in Erbstücken – von Kahla und Arzberg über Eschenbach und Seltmann bis Limoges, Herend und Royal Copenhagen. Dieser Überblick zeigt die wichtigsten Hersteller mit Ort, Gründungsjahr, typischer Ware und Besonderheiten und erklärt, wie Sie ein Stück einordnen.

Porzellanmarken im Überblick

Die Tabelle fasst bekannte Porzellanmarken zusammen, die in Haushalten und auf dem Gebrauchtmarkt häufig auftauchen. Die großen Manufakturen und Marken stellen wir in eigenen Ratgebern vor: Meissen, KPM Berlin, Rosenthal, Hutschenreuther und Villeroy & Boch.

MarkeOrtSeitBekannt für
KahlaKahla, Thüringen1844Haushalts- und Hotelporzellan; in der DDR Sitz eines großen Kombinats
EschenbachWindischeschenbach (Oberpfalz), seit 2000 Triptis (Thüringen)–Gebrauchsporzellan mit dem Schriftzug „Eschenbach“
GoebelRödental-Oeslau, Oberfranken1871Figuren, vor allem die Hummel-Figuren (bei Goebel 1935–2008)
ArzbergArzberg, OberfrankenMarke seit 1887Form 1382 von Hermann Gretsch (1931)
Seltmann WeidenWeiden in der Oberpfalz1910Gebrauchsporzellan, Werke in Weiden und Erbendorf
ThomasMarktredwitz, Oberfranken–modernes Alltagsporzellan, seit 1908 Teil von Rosenthal
FrieslandVarel, Niedersachsen1953Porzellan wie „Jeverland“ und Geschirr aus Ceracron wie „Ammerland“
LimogesLimoges, Frankreich1771Herkunftsbezeichnung vieler Hersteller, etwa Haviland, Bernardaud, Royal Limoges
HerendHerend, Ungarn1826handbemaltes und vergoldetes Porzellan, Dekor „Victoria“
AugartenWien, Österreich1718, neu gegründet 1923blauer Bindenschild, Entwürfe unter anderem von Josef Hoffmann
Royal CopenhagenKopenhagen, Dänemark1775Musselmalet (Blue Fluted), Flora Danica
WedgwoodStoke-on-Trent, England1759Jasperware, Queen's Ware und Bone China – kein klassisches Hartporzellan

Kahla: Porzellan aus Thüringen

Christian Eckardt gründete die Fabrik in Kahla 1844; am 27. August 1844 lief die Produktion mit 20 Beschäftigten an. Bis zum Ersten Weltkrieg wuchs Kahla zu einem der größten Porzellanhersteller im Deutschen Reich. In der DDR wurde der Betrieb 1952 volkseigen und zum Zentrum der Porzellanindustrie: 1979 gehörten 17 Porzellanwerke mit 18.000 Beschäftigten zum Kombinat. Nach dem Konkurs 1993 gründete der frühere Rosenthal-Vorstand Günther Raithel 1994 die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH. Nach einer Insolvenz 2020 führte ein neuer Eigentümer das Unternehmen weiter, 2024 feierte es 180 Jahre.

Früher war Kahla unter anderem für Kobaltblau und Dekore wie Strohblumen und Zwiebelmuster bekannt. Bekannte neuere Serien sind Aronda (1994, Barbara Schmidt), touch! mit samtiger Oberfläche (2005) und TAO (2009). Mehr über die Hersteller der DDR lesen Sie im Ratgeber DDR-Porzellan und -Keramik.

Eschenbach: von der Oberpfalz nach Thüringen

Eschenbach ist eine Porzellanmarke aus Windischeschenbach in der Oberpfalz. Ältere Stücke tragen den Schriftzug „Eschenbach“, häufig mit dem Zusatz „Bavaria“. Im August 2000 übernahm die Porzellanfabrik im thüringischen Triptis – 1891 gegründet – die Marken Eschenbach und Winterling, die Produktion in Windischeschenbach endete im Februar 2004. Seit 2011 heißt das Unternehmen Eschenbach Porzellan Group – Neue Porzellanfabrik Triptis.

Wegen der gestiegenen Energiepreise endete die Produktion in Triptis Ende 2022; seit Anfang 2024 meldet das Unternehmen einen Neustart. Wer Eschenbach-Geschirr ergänzen möchte, sucht am besten nach Form- und Dekornamen vom Boden der vorhandenen Teile.

Goebel und die Hummel-Figuren

Franz Detleff Goebel und sein Sohn William gründeten die Firma 1871 in Oeslau, dem heutigen Rödental bei Coburg. Weltbekannt wurde Goebel durch die Hummel-Figuren: Nach Zeichnungen der Ordensschwester Maria Innocentia Hummel (1909–1946) entstanden 1935 die ersten Figuren. Goebel stellte die Produktion Ende Oktober 2008 aus wirtschaftlichen Gründen ein, seit 2009 fertigen Nachfolgeunternehmen die Figuren weiter in Rödental.

Nicht jede Goebel-Figur ist eine Hummel-Figur – Goebel stellte auch Geschirr und andere Figuren her. Echte Hummel-Figuren tragen die Signatur „M. I. Hummel“.

Arzberg: Form 1382 und die Moderne

Aus einer 1872 gegründeten Tonwarenfabrik in Arzberg entstand 1881 eine Porzellanfabrik, die Marke Arzberg wurde 1887 eingetragen. Berühmt ist die Form 1382 von Hermann Gretsch aus dem Jahr 1931: Das nüchterne Geschirr verkaufte sich anfangs schlecht und wurde ab 1935 zum Erfolg – heute gilt es als Klassiker des modernen Designs. Später prägten Gestalter wie Heinrich Löffelhardt das Programm.

ZeitBodenmarke Arzberg
ab 1928Schriftzug „Arzberg“
bis 1946zusätzlich mit Krone, Wappen und dem Zusatz „Bavaria“
spätergeschwungener Arzberg-Schriftzug, ab den 1970er-Jahren und erneut ab 2000 in Druckschrift

Das Werk in Arzberg schloss um 2000; 2013 übernahm Rosenthal Marke und Rechte. Die Form 1382 wird bis heute hergestellt, seit 2024 unter dem Namen Rosenthal.

Seltmann Weiden und weitere bayerische Namen

Christian Seltmann gründete 1910 in Weiden die Porzellanfabriken Christian Seltmann. Neben dem Stammwerk in Weiden gehört seit 1940 ein Werk in Erbendorf dazu; das Werk in Tettau wurde 2019 geschlossen. Auf dem Boden stehen meist der Schriftzug „Seltmann Weiden“ und der Zusatz „Bavaria“.

Auf Flohmärkten begegnen Ihnen außerdem viele weitere Namen aus Nordostbayern: Tirschenreuth, Schirnding, Bareuther aus Waldsassen, Thomas aus Marktredwitz, Winterling oder Mitterteich. Die meisten dieser Hersteller saßen rund um Selb, Weiden und das Fichtelgebirge – dort verläuft heute die Porzellanstraße, die der Ratgeber Porzellanikon in Selb und die Porzellanstraße vorstellt.

Limoges ist kein Hersteller, sondern eine Herkunft

Limoges-Porzellan ist Hartporzellan aus der Stadt Limoges und ihrer Umgebung – hergestellt von vielen verschiedenen Firmen. Die Geschichte begann mit Kaolinfunden in Saint-Yrieix-la-Perche 1768, die Produktion in Limoges startete 1771. 1842 gründete der Amerikaner David Haviland eine Firma, die vor allem für den US-Markt produzierte, 1863 folgte Bernardaud. Royal Limoges von 1797 gilt als älteste noch produzierende Porzellanfabrik der Stadt.

Heute ist „Porcelaine de Limoges“ eine geschützte geografische Angabe: Das Porzellan muss vollständig im Département Haute-Vienne hergestellt und dekoriert sein. Weil Limoges seit Jahrzehnten gefälscht wird, achten Sie auf den Namen des Herstellers neben dem Schriftzug „Limoges“.

Herend, Augarten, Royal Copenhagen und Wedgwood

  • Herend (Ungarn): 1826 von Vince Stingl als Steingutwerkstatt gegründet, ab 1839 künstlerisches Porzellan. Auf der Weltausstellung 1851 in London zeigte Herend ein Dekor mit Schmetterlingen und Blütenzweigen; Königin Victoria bestellte daraus ein Service, seither heißt es „Victoria“.
  • Augarten (Wien): Die Wiener Manufaktur von 1718 war nach Meissen die zweite Europas, sie schloss 1864. Am 2. Mai 1923 eröffnete im Schloss Augarten die heutige Manufaktur. Jedes Stück trägt den blauen Bindenschild, seit 2011 gibt es ein Porzellanmuseum im Augarten.
  • Royal Copenhagen (Dänemark): 1775 unter dem Schutz der Königinwitwe Juliane Marie gegründet. Musselmalet, im Englischen Blue Fluted, ist Muster Nummer 1; das botanische Service Flora Danica entstand ab 1790. Die Marke zeigt drei Wellenlinien für die drei dänischen Meerengen. Gefertigt wird heute in Thailand, Flora Danica wird weiterhin in Dänemark bemalt.
  • Wedgwood (England): 1759 von Josiah Wedgwood gegründet. Bekannt sind Queen's Ware, ein cremefarbenes Steingut, und die unglasierte Jasperware aus Steinzeug, meist in Wedgwood-Blau; Bone China stellt Wedgwood seit 1812 her, mit Unterbrechung. Einen Großteil der Produktion verlagerte das Unternehmen in den 2000er-Jahren nach Indonesien.

Keramik oder Porzellan? Marken, die oft verwechselt werden

Nicht alles, was eine bekannte Marke trägt, ist Porzellan. Das hat Folgen für Pflege und Wert:

MarkeMaterialGut zu wissen
WedgwoodSteingut (Queen's Ware), Steinzeug (Jasperware), Bone Chinanur Bone China ist eine Porzellanart
FrieslandPorzellan und Ceracron, eine Masse aus Steingut und SteinzeugSerien wie „Ammerland“ sind Ceracron, kein Porzellan
Villeroy & BochSteingut, Porzellan, Knochenporzellan und weitere Massenbei neueren Serien steht das Material oft auf dem Boden

Woran Sie die Materialien unterscheiden, erklärt der Ratgeber Unterschied zwischen Keramik und Porzellan.

Was sind diese Porzellanmarken wert?

Ein großer Name allein macht ein Stück nicht wertvoll. Gebrauchsporzellan aus der Serienproduktion des 20. Jahrhunderts erzielt meist nur kleine Beträge. Gefragter sind gut erhaltene Designklassiker, vollständige Services in gesuchten Dekoren, Handmalerei, ältere Manufakturstücke und gesuchte Figuren.

  • Lesen Sie zuerst die Bodenmarke vollständig: Hersteller, Ort, Form- und Dekorname.
  • Vergleichen Sie tatsächlich erzielte Verkaufspreise, nicht Angebotspreise.
  • Prüfen Sie den Zustand: Abplatzer, Haarrisse, Spülmaschinenschäden und abgeriebenes Gold senken den Wert.
  • Bei Figuren und älteren Stücken lohnt eine fachliche Einschätzung durch ein Auktionshaus.

Wie Sie Bodenmarken Schritt für Schritt lesen und datieren, zeigt der Ratgeber Porzellanmarken erkennen.

Porzellan für jeden Tag

Wer neues Porzellan sucht, das täglich benutzt werden darf: Unser weißes Porzellan ist dünnwandig, lichtdurchlässig, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet, in Porzellanweiß und mit Seladon-Glasur – vom Becher bis zum Kaffeeservice für sechs Personen.

Häufige Fragen

Welche Porzellanmarken gibt es in Deutschland?

Zu den bekanntesten gehören Meissen, KPM Berlin, Fürstenberg, Nymphenburg, Rosenthal, Hutschenreuther, Villeroy & Boch, Kahla, Arzberg, Seltmann Weiden, Thomas und Eschenbach. Viele Hersteller sitzen oder saßen in Bayern und Thüringen.

Ist Limoges eine Porzellanmarke?

Nein, Limoges ist eine Herkunftsbezeichnung. Viele Firmen in und um Limoges fertigen Porzellan; achten Sie deshalb auf den Herstellernamen neben dem Schriftzug.

Woher kommt Eschenbach Porzellan?

Ursprünglich aus Windischeschenbach in der Oberpfalz. Seit 2000 gehört die Marke zur Porzellanfabrik im thüringischen Triptis.

Wie alt ist die Porzellanmarke Kahla?

Kahla wurde 1844 in Thüringen gegründet. Nach der Wende entstand 1994 die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH, 2024 feierte das Unternehmen sein 180-jähriges Bestehen.

Wer stellt Hummel-Figuren her?

Von 1935 bis 2008 die Firma Goebel in Rödental. Seit 2009 fertigen Nachfolgeunternehmen die Figuren ebenfalls in Rödental.

Ist Wedgwood Porzellan?

Nur zum Teil. Wedgwood ist vor allem für Steingut (Queen's Ware), unglasiertes Steinzeug (Jasperware) und Bone China bekannt, nicht für klassisches Hartporzellan.

Was ist Arzberg Form 1382?

Ein schlichtes Geschirr von Hermann Gretsch aus dem Jahr 1931, das bis heute hergestellt wird – seit 2024 unter dem Namen Rosenthal.

Was bedeutet „Bavaria“ auf Porzellan?

Dass das Stück aus Bayern stammt – nicht, von welchem Hersteller. Den Hersteller verrät der Firmen- oder Ortsname neben dem Schriftzug.

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