Fürstenberg und Nymphenburg: Porzellanmanufakturen mit Tradition
Fürstenberg Porzellan und Nymphenburger Porzellan kommen aus zwei Manufakturen, die beide 1747 gegründet wurden und bis heute produzieren: Fürstenberg an der Weser, erkennbar am blauen F, und Nymphenburg in München mit dem eingepressten Rautenschild. Wir vergleichen Geschichte, Bodenmarken, bekannte Serien und Museen und zeigen, woran Sie Stücke beider Häuser erkennen.
Fürstenberg und Nymphenburg im Vergleich
Beide Manufakturen wurden im selben Jahr auf Betreiben eines Landesherrn gegründet, beide fertigen bis heute weitgehend von Hand. Im Charakter unterscheiden sie sich deutlich: Fürstenberg steht neben dem Rokoko auch für moderne Formen bis zum Bauhaus-nahen Design, Nymphenburg besonders für seine Figuren und eine kleine, rein handwerkliche Produktion.
| Merkmal | Fürstenberg | Nymphenburg |
|---|---|---|
| Gegründet | 11. Januar 1747 durch Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel | 1747 unter Kurfürst Max III. Joseph von Bayern |
| Standort | Schloss Fürstenberg an der Weser, seit 1972 Produktion in Neubauten neben dem Schloss | seit 1761 am Nördlichen Schlossrondell vor Schloss Nymphenburg in München |
| Bodenmarke | blaues F seit 1753, heute mit Krone | eingepresster Rautenschild seit 1754, heute dazu ein grüner Stempel mit „Nymphenburg 1747“ |
| Bekannt für | Rokoko-Form Alt Fürstenberg, Vasen, die Form von Wilhelm Wagenfeld, moderne Serien wie My China! | Rokoko-Figuren von Franz Anton Bustelli, Jugendstilgeschirr, Formen von Wolfgang von Wersin |
| Fertigung | überwiegend Handwerk | ausschließlich von Hand, rund 60 Beschäftigte |
| Eigentümer | seit 2019 das Land Niedersachsen | Freistaat Bayern; seit 2011 gepachtet von Luitpold Prinz von Bayern |
| Museum | Museum Schloss Fürstenberg (seit 1957) | Museum Nymphenburger Porzellan im Marstallmuseum |
Fürstenberg Porzellan: die Manufaktur an der Weser
Am 11. Januar 1747 verfügte Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel die Gründung einer Porzellanmanufaktur in Fürstenberg. Die ersten Versuche brachten kein echtes Porzellan hervor; erst 1753 brachte der Arkanist Johann Kilian Benckgraff das nötige Wissen mit, und die Produktion in größerem Umfang begann. Im selben Jahr ordnete der Herzog an, jedes Stück mit einem blauen F zu kennzeichnen. Fürstenberg gilt als zweitälteste Porzellanmanufaktur Deutschlands, die bis heute ununterbrochen am selben Ort produziert.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren Vasen besonders gefragt; als einzige Manufaktur neben der KPM durfte Fürstenberg damals eine Verkaufsniederlassung in Berlin betreiben. Zu den bekannten Künstlern dieser Zeit gehören der Maler und Modelleur Simon Feilner sowie die Modelleure Johann Christoph Rombrich und Anton Carl Luplau, der später nach Kopenhagen ging.
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| 1859 | die herzogliche Manufaktur wird an private Betreiber verpachtet |
| 1888 | Umwandlung in eine Aktiengesellschaft; in diese Zeit fällt die Form Grecque |
| 1930er-Jahre | Hinwendung zu schlichtem, funktionalem Design, darunter die Form von Wilhelm Wagenfeld |
| 1952 | die Form Fürstin prägt die 1950er-Jahre |
| 1957 | das Niedersachsenpferd von Walter Nitzsche entsteht, bis heute offizielles Staatsgeschenk des Landes |
| 2005 | Zusammenarbeit mit Sieger Design, daraus entsteht die Serie My China! |
| 2019 | das Land Niedersachsen übernimmt die Anteile der Norddeutschen Landesbank |
Aktuelle Geschirrserien sind unter anderem Alt Fürstenberg, Auréole, Blanc, Carlo, Fluen, Grecque, My China!, Touché und Wagenfeld. Die Rokoko-Form Alt Fürstenberg mit ihren verspielten Henkeln wird bis heute im ursprünglichen Stil gefertigt.
Das blaue F: Fürstenberg-Marken erkennen
Das F ist seit 1753 das Markenzeichen der Manufaktur, heute als gekröntes blaues F. Für die zeitliche Einordnung hilft neben der Form der Marke vor allem der Stil des Stücks: Rokoko-Formen und -Malerei, klassizistische Dekore, Jugendstil, die schlichten Formen der 1930er-Jahre oder Designerserien seit den 2000er-Jahren lassen sich gut unterscheiden.
- Prüfen Sie, ob das F zur Epoche von Form und Dekor passt.
- Achten Sie auf Formnummern und Dekorbezeichnungen am Boden; sie helfen beim Abgleich mit Katalogen.
- Vergleichen Sie bei älteren Stücken mit Objekten in Museumssammlungen, etwa im Museum Schloss Fürstenberg.
- Ein F allein ist kein Beweis – auch hier gilt: Marke, Scherben, Form und Malerei müssen zusammenpassen.
Eine allgemeine Anleitung zum Lesen von Bodenmarken finden Sie im Ratgeber Porzellanmarken erkennen.
Nymphenburg: Porzellan aus dem Münchner Schlossrondell
Kurfürst Max III. Joseph förderte nach seinem Regierungsantritt neue Manufakturen; Ende 1747 erhielt die Porzellanmanufaktur das Schlösschen Neudeck in der Münchner Au. Regelmäßig gelang die Produktion erst ab 1754, nachdem Joseph Jakob Ringler die schwierigen Herstellungsverfahren beherrschte. 1761 zog die Manufaktur in die von Joseph Effner entworfenen Gebäude am Nördlichen Schlossrondell vor Schloss Nymphenburg, wo sie bis heute arbeitet. 1765 waren dort 187 Personen beschäftigt – der Höchststand der Produktion.
Ein Glücksfall für die junge Manufaktur war Franz Anton Bustelli, am 3. November 1754 als Figurist eingestellt. Seine lebendigen Rokoko-Figuren, allen voran die Gestalten der italienischen Commedia dell'arte, schmückten einst die höfische Desserttafel und zählen bis heute zu den bekanntesten Werken der europäischen Porzellanplastik. Nach Bustelli prägte Dominik Auliczek der Ältere die Figurenkunst.
| Zeit | Entwicklung |
|---|---|
| um 1900 | elegante Jugendstilgeschirre |
| ab 1932 | Wolfgang von Wersin entwirft die Serviceformen Adonis, Helios und Lotos |
| 1975 | der Freistaat Bayern verpachtet die Manufaktur an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds |
| 2011 | Luitpold Prinz von Bayern übernimmt die Pacht |
| 2012 | offizieller Name: Königliche Porzellan Manufaktur Nymphenburg |
Heute fertigen rund 60 Beschäftigte ausschließlich von Hand, neben historischen Modellen auch Entwürfe zeitgenössischer Designerinnen und Designer.
Der Rautenschild: Nymphenburger Bodenmarken
Sieben Jahre nach der Gründung, also 1754, ordnete der Kurfürst an, alle Stücke am Boden zu kennzeichnen – mit dem Wittelsbacher Rautenschild. Er wird bis heute von Hand mit einem kleinen Stempel aus Biskuitporzellan in die noch weiche Masse gedrückt. Bei den frühen Marken wiesen die Spitzen der Rauten von links unten nach rechts oben.
Im Lauf der Zeit erschien die Marke in vielen Varianten, die Kennern Anhaltspunkte zur Datierung geben. Zur eingepressten Marke kommt heute ein Stempel in Unterglasurgrün mit Rautenschild und dem Schriftzug „Nymphenburg 1747“, seit 2021 in einer serifenlosen Schrift. Ein eingepresster Schild ist an der leichten Vertiefung im Scherben zu erkennen – fahren Sie mit dem Finger darüber.
Museen und Besuch
| Ort | Was Sie sehen |
|---|---|
| Museum Schloss Fürstenberg | Dauerausstellung „Erlebnis Porzellan“ im Schloss über der Weser, Schaumagazin, Sonderausstellungen, eine Besucherwerkstatt zum Anfassen sowie Café und Restaurant; außerdem gibt es einen Werksverkauf der Manufaktur |
| Museum Nymphenburger Porzellan | im ersten Stock des Marstallmuseums von Schloss Nymphenburg: die Sammlung Bäuml mit Nymphenburger Porzellan vom 18. bis 20. Jahrhundert, darunter Jugendstilporzellan |
| Manufaktur Nymphenburg | Führungen nach vorheriger Vereinbarung |
Die Sammlung im Marstallmuseum begründete Albert Bäuml, der die Manufaktur ab 1888 leitete; er sammelte Nymphenburger Porzellan als Vorlagen, um die künstlerische Qualität zu heben. Öffnungszeiten und Eintritt finden Sie auf den Websites der Museen. Weitere Ausflugsziele stellt der Ratgeber Keramik- und Porzellanmuseen in Deutschland vor.
Weitere Porzellanmanufakturen des 18. Jahrhunderts
Fürstenberg und Nymphenburg gehören zu einer Gründungswelle: Nach dem Erfolg Meissens wollten viele Höfe eigenes Porzellan. Einige dieser Manufakturen bestehen bis heute.
| Manufaktur | Gegründet | Marke | Heute |
|---|---|---|---|
| Meissen | 1710 | gekreuzte Schwerter | produziert bis heute in Meißen |
| Wien | 1718 | Bindenschild | 1864 geschlossen, 1923 als Augarten neu gegründet |
| Höchst | 1746 | Mainzer Rad | 1796 geschlossen, 1947 neu gegründet |
| Fürstenberg | 1747 | blaues F | produziert bis heute an der Weser |
| Nymphenburg | 1747 | Rautenschild | produziert bis heute in München |
| Ludwigsburg | 1758 | verschiedene Zeichen | 1824 geschlossen, 1948 neu gegründet, Produktion 2016 eingestellt |
| Berlin (KPM) | 1763 (Vorläufer 1751) | blaues Zepter | produziert bis heute in Berlin |
Mehr zu den bekanntesten Häusern lesen Sie in den Ratgebern Meissener Porzellan und KPM Berlin, einen Überblick über weitere Hersteller gibt der Ratgeber Europäische Porzellanmarken.
Sammeln: Was bestimmt den Wert?
Für beide Manufakturen gilt: Ältere Stücke aus dem 18. Jahrhundert, Figuren nach bekannten Modelleuren wie Bustelli und aufwendige Handmalerei sind gesucht, jüngeres Gebrauchsgeschirr erzielt gebraucht meist deutlich weniger als neu. Den Wert senken Abplatzer, Haarrisse, Restaurierungen und abgeriebenes Gold. Vorsicht bei Figuren: Viele historische Modelle werden bis heute nach den alten Formen gefertigt, entscheidend ist dann die Marke mit ihren Varianten.
Für eine fachliche Einordnung eignen sich Auktionshäuser mit Porzellanabteilung und Museen; wie Sie Sammelstücke verkaufen, beschreibt der Ratgeber Sammelporzellan und Sammeltassen.
Porzellan für den gedeckten Tisch
Manufakturporzellan aus dem 18. Jahrhundert gehört in die Vitrine, für den Alltag darf es pflegeleicht sein. Unser weißes Porzellan ist dünnwandig, lichtdurchlässig, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet, in Porzellanweiß und mit Seladon-Glasur – vom Porzellanteller bis zum Kaffeeservice für sechs Personen.
Häufige Fragen
Welche Marke hat Fürstenberg Porzellan?
Ein blaues F. Herzog Carl I. ordnete 1753 an, jedes Stück damit zu kennzeichnen; heute ist das F gekrönt.
Woran erkenne ich Nymphenburger Porzellan?
Am Rautenschild, der seit 1754 von Hand in die weiche Masse gedrückt wird. Heute kommt ein grüner Unterglasurstempel mit Rautenschild und „Nymphenburg 1747“ hinzu.
Wann wurden Fürstenberg und Nymphenburg gegründet?
Beide 1747: Fürstenberg am 11. Januar 1747 durch Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, Nymphenburg unter Kurfürst Max III. Joseph von Bayern.
Wer war Franz Anton Bustelli?
Der Figurist der Manufaktur Nymphenburg, eingestellt 1754. Seine Rokoko-Figuren, besonders die Gestalten der Commedia dell'arte, zählen zu den bekanntesten Werken der europäischen Porzellanplastik.
Wem gehört die Porzellan Manufaktur Nymphenburg?
Dem Freistaat Bayern. Seit 2011 hat Luitpold Prinz von Bayern die Manufaktur gepachtet; sie firmiert als Königliche Porzellan Manufaktur Nymphenburg.
Wem gehört die Porzellanmanufaktur Fürstenberg?
Seit Dezember 2019 dem Land Niedersachsen, das die Anteile der Norddeutschen Landesbank übernommen hat.
Kann man die Manufakturen besichtigen?
In Fürstenberg zeigt das Museum im Schloss die Porzellanherstellung, mit Besucherwerkstatt. Die Manufaktur Nymphenburg bietet Führungen nach Vereinbarung an, ihr Porzellanmuseum liegt im Marstallmuseum.
Ist Fürstenberg die zweitälteste Porzellanmanufaktur Deutschlands?
Fürstenberg ist nach Meissen die zweitälteste Manufaktur, die bis heute ununterbrochen am selben Ort produziert.







