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Porzellan: Marken & Sammeln

KPM Porzellan: Geschichte, Marken und bekannte Serien der Berliner Manufaktur

PureKeramik Manufaktur · · 6 Min. Lesezeit

KPM Porzellan stammt aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, die Friedrich der Große 1763 übernahm und die bis heute im Berliner Tiergarten jedes Stück von Hand fertigt. Erkennbar ist es am kobaltblauen Zepter unter der Glasur. Hier lesen Sie, wie die Manufaktur entstand, was Zepter, Reichsapfel und Buchstaben am Boden bedeuten und welche Serien zu den Klassikern zählen.

Was ist KPM Porzellan?

KPM Porzellan ist Porzellan der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Die Manufaktur gilt als ältester noch produzierender Handwerksbetrieb Berlins und stellt jedes Stück bis heute von Hand her. Ihr Markenzeichen ist das kobaltblaue Zepter aus dem kurbrandenburgischen Wappen, das Friedrich der Große der Manufaktur gab.

MerkmalKPM Berlin
Gegründet1763 mit der Übernahme durch Friedrich den Großen; Vorläufer 1751 (Wegely) und 1761 (Gotzkowsky)
SitzWegelystraße im Berliner Tiergarten, dort voll in Betrieb seit 1872
Markeblaues Zepter unter der Glasur, dazu seit 1803 der Reichsapfel als Malereimarke
KlassikerRocaille, Neuosier, Kurland, Urbino, Arkadia, Berlin
Eigentümerseit 2006 der Berliner Bankier Jörg Woltmann
BesuchAusstellung KPM Welt, Führungen und Flagship Store in der historischen Ringkammerofen-Halle

Geschichte der KPM in Daten

Zwei Anläufe scheiterten, bevor die Berliner Manufaktur Bestand hatte. Wilhelm Caspar Wegely erhielt 1751 ein königliches Privileg, musste aber 1757 aufgeben; auch Johann Ernst Gotzkowsky, der 1761 neu begann, geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Am 19. September 1763 kaufte Friedrich der Große das Unternehmen für 225.000 Reichstaler, übernahm die 146 Beschäftigten und gab ihm den Namen Königliche Porzellan-Manufaktur. Für die damalige Zeit fortschrittlich: Es gab geregelte Arbeitszeiten, eine eigene Krankenkasse und Pensionen, Kinderarbeit gab es nicht.

JahrEreignis
1751Wilhelm Caspar Wegely gründet die erste Berliner Porzellanmanufaktur (Marke: W)
1761Neuanfang unter Johann Ernst Gotzkowsky (Marke: G)
1763Friedrich der Große übernimmt die Manufaktur; Name Königliche Porzellan-Manufaktur, Marke Zepter
1767–1790Rokoko und Klassizismus: Rocaille (1767), Neuosier (1770), Kurland (1790)
1803der Reichsapfel wird als Malereimarke eingeführt
1. Hälfte des 19. JahrhundertsBlütezeit der Vedutenmalerei mit Ansichten von Berlin und Potsdam
1872Umzug von der Leipziger Straße an die Wegelystraße abgeschlossen
1918nach dem Ende der Monarchie Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin
1931–1938Moderne: Urbino (1931) und Arkadia (1938) von Trude Petri, Hallesche Vasen (1931)
1943 bis 1950er-Jahrenach schweren Bombenschäden Produktion im bayerischen Selb, danach Rückkehr in den Tiergarten
1988Umwandlung in die KPM Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin GmbH
2006Jörg Woltmann wird alleiniger Gesellschafter
2007Eröffnung der Ausstellung KPM Welt

Die KPM-Marken: Zepter, Reichsapfel und Buchstaben

Das Zepter wird nach dem ersten Brand mit blauer Unterglasurfarbe aufgebracht. Danach wird das Stück glasiert und ein zweites Mal gebrannt, sodass sich das Kobalt mit der Glasur verbindet – die Marke lässt sich nicht mehr entfernen. Bis 1837 malten Mitarbeitende das Zepter von Hand, danach wurde es gestempelt. Laut Manufaktur erhalten nur Stücke das Zepter, die die Qualitätsanforderungen erfüllen.

MarkeBedeutungZeitraum
WManufaktur Wegely, sehr selten1751–1757
GManufaktur Gotzkowsky, selten1761–1763
blaues ZepterManufakturmarke unter der Glasur; bis 1837 gemalt, danach gestempeltseit 1763
Zepter mit den Buchstaben KPM, wenig später mit preußischem AdlerSchutz vor Nachahmungenab 1837
Zepter mit „S“Produktion im bayerischen Selb1940er- und 1950er-Jahre
Zepter mit KPM darunterheutige Marke, 2007 überarbeitetseit 2000
ReichsapfelMalereimarke: Das Dekor wurde in der Manufaktur gemaltseit 1803
Malersignet am Standringpersönliches Zeichen der Malerin oder des Malersbei handbemalten Stücken

Die Farbe des Reichsapfels verrät, welche Art von Dekor Sie vor sich haben:

Farbe des ReichsapfelsArt des Dekors
RotBlumenmalerei, farbige Figuren und Landschaften
GrünDekore ohne Blumenmalerei, etwa Gold- oder Platinränder, Farbdekore und Monogramme
BlauScharffeuerfarben, die bei hoher Temperatur in die Glasur einsinken – spülmaschinenfest
SchwarzDruckdekore, zum Beispiel Logos oder Kleinserien

Vorsicht bei den Buchstaben allein: Auch Meissen nutzte in den 1720er-Jahren die Buchstaben K.P.M., und weitere Hersteller verwendeten das Kürzel. Entscheidend ist das blaue Zepter. Wie Sie andere Bodenmarken lesen, erklärt der Ratgeber Porzellanmarken erkennen, die Meissener Schwerter stellt der Ratgeber Meissener Porzellan vor.

Bekannte KPM-Serien und Klassiker

Ein Teil der Formen ist seit dem 18. Jahrhundert fast unverändert im Programm. Diese Serien sollten Sie kennen:

SerieJahrEntwurf und Merkmale
Rocaille1767Rokoko-Form von Friedrich Elias Meyer, ursprünglich „Antique Zierat“ genannt
Neuosier1770Rokoko-Form mit Flechtrelief am Rand, bis heute im Programm
Kurland1790klassizistisches Service von Johann Karl Friedrich Riese für Peter von Biron, Herzog von Kurland; einer der Bestseller der Manufaktur
Urbino1931schlichte Form von Trude Petri, Grand Prix der Pariser Weltausstellung 1937
Hallesche Vasen1931Vasen von Marguerite Friedlaender, entstanden mit der Kunstschule Burg Giebichenstein
Arkadia1938Teeservice von Trude Petri zum 175-jährigen Bestehen
Urania1990unverzierte Variante der Arkadia-Form
Berlin1996Service, entworfen gemeinsam mit Enzo Mari

Für Sammlerinnen und Sammler interessant sind außerdem Kabinetttassen aus dem frühen 19. Jahrhundert – reich bemalte Tassen, die für die Vitrine statt für den Tisch gedacht waren – und Stücke mit Veduten, also gemalten Stadtansichten von Berlin und Potsdam. Mehr über das Sammeln von Tassen lesen Sie im Ratgeber Sammelporzellan und Sammeltassen.

KPM Welt: die Manufaktur in Berlin besuchen

Im KPM-Quartier an der Wegelystraße im Tiergarten zeigt die Ausstellung KPM Welt seit 2007 die Geschichte der Manufaktur. Die Stiftung KPM bietet Führungen an, die neben der historischen Ausstellung auch hinter die Kulissen der Produktion führen; Einzel- und Sonderführungen gibt es auf Anfrage. Der Flagship Store liegt auf der Galerie der historischen Ringkammerofen-Halle, ein Café gehört ebenfalls zum Quartier.

Öffnungszeiten und Führungstermine stehen auf der Website der KPM. Weitere Ziele für Porzellanfreunde finden Sie im Überblick Keramik- und Porzellanmuseen in Deutschland.

KPM kaufen und sammeln: Worauf sollten Sie achten?

  • Zepter prüfen: Es muss unter der Glasur liegen und zur Zeit passen, die Form und Dekor nahelegen.
  • Reichsapfel und Signatur: Bei handbemalten Stücken gehören der Reichsapfel neben dem Zepter und ein Malersignet am Standring dazu.
  • Frühe Marken: Stücke mit W (Wegely) oder G (Gotzkowsky) sind selten und gesuchte Sammlerstücke.
  • Selber Zeit: Ein „S“ unter dem Zepter weist auf die Produktion in Selb nach dem Krieg hin.
  • Zustand: Abplatzer, Haarrisse, abgeriebenes Gold und Restaurierungen mindern den Wert deutlich.
  • Teure Stücke: Lassen Sie sich vor dem Kauf eine Einschätzung geben, etwa bei einem Auktionshaus oder bei den Expertisentagen im Porzellanikon, das Porzellan aus dem deutschsprachigen Raum begutachtet.

KPM Porzellan pflegen

Ob ein Stück in die Spülmaschine darf, hängt vom Dekor ab. Dekore mit blauem Reichsapfel sind in Scharffeuerfarben gemalt und laut Manufaktur spülmaschinenfest, weißes Porzellan ohne Dekor ist in der Regel ebenfalls unempfindlich. Gold, Platin und Aufglasurmalerei spülen Sie besser von Hand und stellen solche Stücke nicht in die Mikrowelle. Mehr dazu im Ratgeber Porzellan in Spülmaschine und Mikrowelle.

Weißes Porzellan für jeden Tag

Wer Porzellan lieber täglich benutzt, als es in die Vitrine zu stellen, achtet auf Alltagstauglichkeit. Unser weißes Porzellan wird bei 1280 °C glattgebrannt, ist dünnwandig, lichtdurchlässig, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet – als Porzellantassen mit Untertasse, Porzellanteller und Kaffeeservice in Porzellanweiß oder mit Seladon-Glasur.

Häufige Fragen

Wofür steht KPM auf Porzellan?

Für Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Das eigentliche Erkennungszeichen ist aber das blaue Zepter, denn die Buchstaben KPM nutzten auch andere Hersteller.

Was bedeutet das blaue Zepter auf Porzellan?

Es ist seit 1763 die Marke der KPM Berlin, abgeleitet aus dem kurbrandenburgischen Wappen. Es liegt unter der Glasur und kennzeichnet Stücke, die die Qualitätsprüfung bestanden haben.

Was bedeutet der Reichsapfel auf KPM Porzellan?

Er bestätigt seit 1803, dass das Dekor in der Manufaktur gemalt wurde. Rot steht für Blumen, Figuren und Landschaften, Grün für Dekore ohne Blumen, Blau für Scharffeuerfarben, Schwarz für Druckdekore.

Was bedeutet ein S unter dem KPM-Zepter?

Es kennzeichnet Porzellan aus der Zeit, in der die Manufaktur nach den Kriegsschäden im bayerischen Selb produzierte.

Wann entstand das KPM-Service Kurland?

1790, entworfen von Johann Karl Friedrich Riese für Peter von Biron, Herzog von Kurland. Es zählt bis heute zu den Bestsellern der Manufaktur.

Wer hat das KPM-Service Urbino entworfen?

Trude Petri, im Jahr 1931. Die schlichte Form erhielt 1937 den Grand Prix der Pariser Weltausstellung.

Kann man die KPM in Berlin besichtigen?

Ja. Im KPM-Quartier an der Wegelystraße gibt es die Ausstellung KPM Welt und Führungen, die auch hinter die Kulissen der Produktion führen. Termine stehen auf der Website.

Ist KPM Porzellan spülmaschinenfest?

Das hängt vom Dekor ab: Weißes Porzellan und Dekore in Scharffeuerfarben (blauer Reichsapfel) ja, Gold, Platin und Aufglasurmalerei besser von Hand spülen.

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