Meissener Porzellan: Geschichte, Schwertermarke und Wert
Meissener Porzellan kommt aus der ältesten Porzellanmanufaktur Europas, 1710 von August dem Starken in Meißen gegründet und seit den 1720er-Jahren mit den gekreuzten blauen Schwertern gekennzeichnet. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die Schwertermarke datieren, ein echtes Zwiebelmuster von Nachahmungen unterscheiden, Fälschungen erkennen und welche Merkmale den Wert eines Stücks bestimmen.
Was ist Meissener Porzellan?
Meissener Porzellan ist Hartporzellan aus der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen in Sachsen. Sie wurde 1710 gegründet, ist die älteste Porzellanmanufaktur Europas und fertigt bis heute ausschließlich an ihrem Standort in Meißen. Ihr Markenzeichen, die gekreuzten Schwerter aus dem sächsischen Kurwappen, gilt als eines der ältesten Markenzeichen Europas.
| Merkmal | Meissener Porzellan |
|---|---|
| Gegründet | 1710 durch August den Starken, Kurfürst von Sachsen |
| Standort | seit 1863 im Triebischtal in Meißen, vorher in der Albrechtsburg |
| Marke | gekreuzte Schwerter in Kobaltblau unter der Glasur |
| Bekannte Werke | Zwiebelmuster, Schwanenservice, Tierplastiken und Figuren von Johann Joachim Kändler |
| Museum | Museum der Meissen Porzellan-Stiftung in der Erlebniswelt Haus Meissen |
| Eigentümer | Freistaat Sachsen, seit 1991 als GmbH |
Geschichte: von Böttger bis heute
Ostasiatisches Porzellan war im frühen 18. Jahrhundert ein Luxusgut, sein Rezept in Europa unbekannt. Am Dresdner Hof arbeiteten der Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und der junge Alchemist Johann Friedrich Böttger daran, es nachzuerfinden. 1707 gelang ihnen zunächst ein rotes, sehr hartes Steinzeug, das Böttgersteinzeug. Ein Laborprotokoll vom 15. Januar 1708 gilt als Geburtsurkunde des weißen europäischen Hartporzellans. August der Starke, der seine Sammelleidenschaft selbst „maladie de porcelaine“ nannte, gründete daraufhin die Manufaktur.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1707 | Böttger und Tschirnhaus stellen rotes Steinzeug her, das Böttgersteinzeug |
| 15. Januar 1708 | Laborprotokoll über das erste weiße Hartporzellan |
| 23. Januar 1710 | Dekret Augusts des Starken zur Gründung der Manufaktur |
| 6. Juni 1710 | Produktionsbeginn in der Albrechtsburg in Meißen |
| 1718 | der Arkanist Samuel Stöltzel geht mit dem Rezept nach Wien, wo die zweite europäische Manufaktur entsteht |
| 1719 | Tod Böttgers, des ersten Leiters der Manufaktur |
| 1720 | Johann Gregorius Höroldt kommt nach Meißen; bis 1731 erweitert er die Palette auf 16 Aufglasurfarben |
| 1731 | Johann Joachim Kändler wird Modelleur; die Schwertermarke wird verbindlich |
| 1737–1742 | Schwanenservice für Heinrich Graf von Brühl mit über 2200 Teilen |
| um 1739/40 | das Zwiebelmuster in Kobaltblau entsteht |
| 1774–1814 | Nachblüte unter Graf Camillo Marcolini |
| 1863 | Umzug der Produktion ins Triebischtal |
| 1950 | Volkseigener Betrieb: VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen |
| 1991 | GmbH, alleiniger Gesellschafter ist der Freistaat Sachsen |
Höroldt prägte mit seinen Farben und Chinoiserien die Malerei, Kändler und seine Werkstatt mit mehr als tausend Modellen die Figurenplastik, darunter die Affenkapelle von 1753. Nach dem Vorbild Meissens entstanden im 18. Jahrhundert weitere Manufakturen, etwa Fürstenberg und Nymphenburg (beide 1747) oder die KPM in Berlin (1763). In der DDR-Zeit entstanden auch moderne Entwürfe wie das Tafelensemble „Großer Ausschnitt“ von Ludwig Zepner aus den 1970er-Jahren; mehr zu dieser Epoche lesen Sie im Ratgeber DDR-Porzellan.
Die Schwertermarke: Herkunft und Bedeutung
Die gekreuzten Schwerter stammen aus dem Wappen des sächsischen Kurfürsten, vorgeschlagen hat sie der Manufakturinspektor Johann Melchior Steinbrück. Möglich wurde eine dauerhafte Kennzeichnung, weil um 1720 eine blaue Unterglasurfarbe zur Verfügung stand. Die Marke wird vor dem Glasieren mit Kobaltblau aufgemalt und liegt deshalb unter der Glasur: Sie lässt sich weder abkratzen noch abwaschen. In der Manufaktur heißt dieser Arbeitsschritt „Schwertern“.
Bis 1730 kamen neben den Schwertern Buchstabenmarken wie K.P.M. (Königliche Porzellan-Manufaktur), M.P.M. und K.P.F. vor, außerdem das Monogramm AR für Augustus Rex. Aus der Frühzeit kennt man außerdem einen Merkurstab und Zeichen, die chinesische Marken nachahmen. Ab 1731 setzten sich die Schwerter durch, und 1875 ließ die Manufaktur ihre Marken nach dem neuen Markenschutzgesetz eintragen.
Meissen-Marken datieren: die Schwerter im Wandel
Die Form der Schwerter und kleine Zusatzzeichen verändern sich über die Jahrhunderte. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Varianten, wie sie im Handel und in der Fachliteratur unterschieden werden.
| Zeitraum | Merkmal der Schwertermarke | Bezeichnung |
|---|---|---|
| 1720er-Jahre bis 1730 | Schwerter neben Buchstabenmarken (K.P.M., M.P.M., K.P.F.) und dem Monogramm AR; bei frühen Stücken oft klein oder kaum lesbar | Frühzeit |
| 1763–1774 | Punkt zwischen den Griffen, nicht bei allen Stücken | Punktzeit |
| 1774–1814 | Stern zwischen den Griffen | Marcolini-Zeit |
| 1824 bis um 1850 | flüchtig gemalte Schwerter, schwer von älteren Marken zu unterscheiden | Schmierperiode |
| um 1850–1924 | Knäufe (Punkte) an den Griffenden, Klingen leicht gebogen | Knaufschwerter |
| 1924–1934 | Punkt zwischen den Klingenspitzen | Pfeifferzeit |
| 1945–1947 | Schwerter unten durch einen Bogen verbunden | Nachkriegsmarke |
| ab 1947 | gleichmäßige, leicht nach innen gebogene Schwerter; ab 1948 zusätzlich eingeprägte Jahreszeichen | moderne Marke |
Seit 1888 malt die Manufaktur beim Zwiebelmuster außerdem kleine Schwerter in den Dekor, an den Fuß der Bambusstaude. Seit den 1950er-Jahren zeigen Punkte oder Striche unter oder neben den Schwertern weitere Zeitabschnitte an. Wichtig: Die Marke grenzt den Zeitraum ein, beweist allein aber nichts. Form, Malerei, Scherben und die übrigen Zeichen am Boden müssen zur angeblichen Epoche passen. Wie Sie Bodenmarken anderer Hersteller lesen, erklärt der Ratgeber Porzellanmarken erkennen.
Schleifstriche, Nummern und Jahreszeichen am Boden
Neben den Schwertern finden Sie am Boden oft weitere Zeichen. Sie helfen bei der Einordnung und sagen viel über die Qualitätsstufe aus.
- Schleifstriche: Mit der Schleifscheibe gesetzte Kerben unter oder durch die Marke kennzeichnen Ware, die nicht als erste Wahl verkauft wurde. Ein Strich steht meist für zweite Wahl, mehrere Striche für niedrigere Sorten oder Ausschuss. Stücke erster Wahl haben keinen Schleifstrich.
- Weißware: Unbemalt verkaufte Stücke erhielten ebenfalls einen Schleifstrich, ab 1919 auch einen Blindstempel mit dem Wort „weiß“. Ist ein solches Stück bemalt, kann die Malerei außerhalb der Manufaktur entstanden sein.
- Formnummer: eingeritzte oder eingeprägte Modellnummer, ab 1764 als Buchstabe mit Zahl (A 1 bis Z 99), seit den 1970er-Jahren fünfstellig, heute als Kombination aus Ziffern und Buchstaben.
- Maler- und Dekornummer: aufgemalte Zahlen für die Malerin oder den Maler und das Dekor, seit den 1970er-Jahren durch einen Schrägstrich getrennt.
- Bossierernummer und Jahreszeichen: eingeprägte Nummer des Bossierers, der Figuren und Gefäße aus Einzelteilen zusammensetzt, seit 1948 ergänzt um ein Jahreszeichen – zuerst als Symbol, ab 1980 als Buchstabe.
Zwiebelmuster: Original oder Nachahmung?
Das Zwiebelmuster ist ein kobaltblaues Unterglasurdekor, das in Meissen um 1739/40 nach chinesischem Vorbild entstand. Die „Zwiebeln“ sind eigentlich stilisierte Früchte: Das Vorbild zeigte Pfirsich, Granatapfel und Zitrone, in Meissen verschmolzen Zitrone und Granatapfel zu der Form, die dem Dekor seinen Namen gab. Den Namen Zwiebelmuster trägt es erst seit etwa 1850, vorher hieß es schlicht „ordinair blau“.
In Meissen wird das Muster bis heute von Hand gemalt. Weil es so beliebt war, übernahmen es zahlreiche andere Hersteller, darunter Hutschenreuther, Villeroy & Boch, Kahla, Winterling, Triptis und Zehendner in Tirschenreuth; in Japan entstand die Variante „Blue Danube“. Solche Stücke sind keine Fälschungen, nur eben kein Meissen.
| Merkmal | Meissener Original | Zwiebelmuster anderer Hersteller |
|---|---|---|
| Bodenmarke | gekreuzte Schwerter in Blau unter der Glasur | eigener Herstellername, oft mit Ortsangabe oder „Bavaria“ |
| Schwerter im Dekor | seit 1888 am Fuß der Bambusstaude | fehlen |
| Malerei | von Hand, feine Pinselstriche, kleine Unterschiede von Teil zu Teil | meist gedruckt, gleichförmige Linien |
| Spülmaschine | laut Manufaktur geeignet, da Unterglasurdekor | je nach Hersteller |
Fälschungen erkennen: die wichtigsten Warnzeichen
Die Schwertermarke gehört zu den am häufigsten nachgeahmten Porzellanmarken. Achten Sie vor allem auf diese Punkte:
- Lage der Marke: Echte Schwerter liegen unter der Glasur. Eine Marke, die Sie ertasten oder abkratzen können, liegt auf der Glasur – bei angeblichem Meissen ein Warnsignal.
- Stimmigkeit: Knaufschwerter auf einer Form des späten 20. Jahrhunderts oder eine Marcolini-Marke auf einem Jugendstil-Dekor passen nicht zusammen.
- Monogramm AR: Im 19. Jahrhundert setzte eine Dresdner Porzellanmalerei das AR-Monogramm auf Stücke im Meissener Stil, Meissen klagte 1879 dagegen. AR am Boden beweist also keine königliche Herkunft.
- „Dresden“ statt Meissen: Porzellan mit der Marke „Dresden“ wird oft mit Meissen verwechselt, stammt aber aus Dresdner Malereien und nicht aus der Manufaktur in Meißen.
- Fantasiemarken: Asiatische Geschenkware mit erfundenen Marken landet gelegentlich als angebliches Sammlerstück auf Flohmärkten.
- Ausführung: Verlaufene Konturen, grobe Malerei und ein dicker, kaum durchscheinender Scherben passen nicht zu Manufakturware.
Was ist Meissener Porzellan wert?
Einen festen Preis gibt es nicht. Die Manufaktur selbst nennt keine Sammlerpreise, weil diese von Angebot und Nachfrage am Antiquitätenmarkt abhängen, und sie kauft kein altes Porzellan zurück. Was ein Stück bringt, hängt vor allem von Epoche, Seltenheit, Malerei und Zustand ab. Gebrauchtes Tafelgeschirr aus jüngerer Produktion erzielt meist deutlich weniger als den Neupreis, frühe Stücke, gesuchte Modelle und feine Handmalerei können auf Auktionen dagegen hohe Preise erreichen.
| Faktor | Hebt den Wert | Senkt den Wert |
|---|---|---|
| Epoche | 18. Jahrhundert, frühe Marken wie Punktzeit und Marcolini-Zeit | jüngere Serienproduktion |
| Modell | seltene Figuren und Modelle, etwa nach Kändler | häufige Standardformen |
| Malerei | feine, aufwendige Handmalerei, seltene Dekore | einfache oder nachträglich ergänzte Bemalung |
| Qualität | erste Wahl ohne Schleifstrich | Schleifstriche (zweite Wahl oder schlechter) |
| Zustand | unbeschädigt, Gold und Farben intakt | Abplatzer, Haarrisse, Klebestellen, abgeriebenes Gold |
| Vollständigkeit | komplette Services, Paare, Originaldeckel | Einzelteile, fehlende Deckel |
So lassen Sie ein Stück einschätzen:
- Fotografieren Sie Vorderseite, Rückseite und Marke scharf bei Tageslicht und notieren Sie alle Zahlen und Zeichen.
- Der Kundenservice der Manufaktur hilft bei der zeitlichen Einordnung und erstellt auf Anfrage Gutachten für Versicherungsfälle.
- Das Porzellanikon in Selb und Hohenberg veranstaltet Expertisentage: Fachleute begutachten bis zu drei Stücke pro Person, einen Marktwert nennen sie als Museum aber nicht.
- Für einen Verkauf schätzen Auktionshäuser mit Porzellanabteilung die Stücke ein, die sie versteigern sollen; für Erbschaft oder Versicherung gibt es öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige.
Wie und wo Sie Sammelstücke am besten anbieten, lesen Sie im Ratgeber Sammelporzellan kaufen und verkaufen.
Meissener Porzellan pflegen
Ob ein Stück in die Spülmaschine darf, hängt laut Manufaktur vom Dekor ab: Weißes Porzellan und Unterglasurdekore wie das Zwiebelmuster gelten als spülmaschinenfest. Stücke mit Gold, Platin oder Aufglasurmalerei spülen Sie besser von Hand in lauwarmem Wasser mit mildem Spülmittel.
- keine Scheuermittel und keine kratzenden Schwämme auf Malerei und Gold
- Stücke mit Gold- oder Platindekor nicht in die Mikrowelle stellen
- Teller mit Zwischenlagen aus Filz oder Papier stapeln, Tassen nicht ineinanderstellen
- Figuren mit einem weichen Pinsel entstauben
Mehr zu Spülmaschine und Mikrowelle lesen Sie im Ratgeber Darf Porzellan in die Spülmaschine?. Wer Meissen vor Ort erleben möchte, findet Tipps für Schauwerkstatt und Museum im Ratgeber Meissen besuchen.
Porzellan für jeden Tag
Kostbares Sammelporzellan steht oft in der Vitrine. Für den Alltag darf es unkomplizierter sein: Unser weißes Porzellan wird bei 1280 °C glattgebrannt, ist dünnwandig, lichtdurchlässig, spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet – in Porzellanweiß und mit Seladon-Glasur. Sie finden es bei den Porzellantassen mit Untertasse und als Kaffeeservice aus Porzellan.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich echtes Meissener Porzellan?
An den gekreuzten blauen Schwertern unter der Glasur – zusammen mit einer stimmigen Form, sauberer Handmalerei und passenden Zusatzzeichen. Die Marke allein reicht nicht, weil sie häufig nachgeahmt wurde.
Was bedeuten Striche durch die Schwerter?
Das sind Schleifstriche. Sie kennzeichnen Ware, die nicht als erste Wahl verkauft wurde: ein Strich meist zweite Wahl, mehrere Striche niedrigere Sorten.
Seit wann gibt es die Schwertermarke?
Die gekreuzten Schwerter kamen in den 1720er-Jahren auf und sind seit 1731 verbindlich. 1875 ließ die Manufaktur ihre Marken amtlich eintragen.
Was ist die Knaufzeit bei Meissen?
So nennt der Handel die Zeit von etwa 1850 bis 1924, in der die Schwerter Knäufe an den Griffenden zeigen.
Ist jedes Zwiebelmuster Meissener Porzellan?
Nein. Viele Hersteller haben das Muster übernommen. Ein Meissener Original trägt die Schwerter am Boden und seit 1888 zusätzlich kleine Schwerter am Fuß der Bambusstaude im Dekor.
Kauft Meissen altes Porzellan zurück?
Nein. Die Manufaktur kauft kein altes Porzellan zurück und nennt keine Sammlerpreise, erstellt aber auf Anfrage Gutachten für Versicherungsfälle.
Darf Meissener Porzellan in die Spülmaschine?
Weißes Porzellan und Unterglasurdekore wie das Zwiebelmuster ja. Stücke mit Gold, Platin oder Aufglasurmalerei spülen Sie besser von Hand.
Wo kann ich Meissener Porzellan schätzen lassen?
Bei Auktionshäusern mit Porzellanabteilung oder bei öffentlich bestellten Sachverständigen. Eine Einordnung ohne Preisangabe bieten die Expertisentage des Porzellanikons.
Wer hat das Meissener Porzellan erfunden?
Johann Friedrich Böttger gemeinsam mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. Ein Laborprotokoll vom 15. Januar 1708 dokumentiert das erste weiße Hartporzellan.







