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Porzellan: Marken & Sammeln

Hutschenreuther Porzellan: Geschichte, Bodenmarken und Wert

PureKeramik Manufaktur · · 7 Min. Lesezeit

Hutschenreuther Porzellan geht auf Carolus Magnus Hutschenreuther zurück, der 1814 in Hohenberg an der Eger begann, weißes Porzellan zu bemalen; 1822 erhielt er die Genehmigung für seine Porzellanfabrik. Hier lesen Sie, wie die Werke in Hohenberg und Selb zusammenhängen, was Löwe und Jahreszahl auf dem Boden bedeuten, welche Stücke Sammler suchen und wie Sie den Wert realistisch einschätzen.

Hutschenreuther Porzellan: zwei Fabriken, eine Familie

Hinter dem Namen stehen zwei Unternehmen: die Stammfabrik C. M. Hutschenreuther in Hohenberg an der Eger und die Fabrik Lorenz Hutschenreuther in Selb, gegründet vom älteren Sohn. Erst 1969/70 wurden beide zur Hutschenreuther AG vereint. Das erklärt, warum auf alten Stücken unterschiedliche Marken stehen.

JahrEreignis
1814Carolus Magnus Hutschenreuther (1794–1845), Sohn des Porzellanmalers Johann Heinrich Hutschenreuther aus dem thüringischen Wallendorf, beginnt in Hohenberg an der Eger, weißes Porzellan zu bemalen. Dieses Jahr trägt die Marke bis heute im Logo.
1822Nach sechs Jahren Wartezeit erhält er am 7. November die Genehmigung für seine Porzellanfabrik – laut Porzellanikon die erste private Porzellanfabrik Nordostbayerns.
1845Nach seinem Tod führt die Witwe Johanna den Betrieb mit den Söhnen Lorenz und Christian weiter; 1848 zerstört ein Brand große Teile der Fabrik, sie wird wieder aufgebaut.
1857Lorenz Hutschenreuther (1817–1886) erhält die Konzession für eine eigene Porzellanfabrik in Selb; 1859 läuft die Produktion mit rund 50 Beschäftigten an.
1870Die Selber Erzeugnisse tragen das Monogramm „L. HR.“
1902 und 1904Beide Firmen werden Aktiengesellschaften: zuerst die Porzellanfabriken Lorenz Hutschenreuther AG Selb, dann C. M. Hutschenreuther.
1906–1927Lorenz Hutschenreuther übernimmt unter anderem Jäger, Werner & Co. (1906), Paul Müller in Selb (1917) sowie die Porzellanfabrik Tirschenreuth und Gebrüder Bauscher in Weiden (1927).
1917Gründung der Kunstabteilung in Selb.
1919Laut Hersteller wird der Löwe zum Markenzeichen.
1969/70Lorenz Hutschenreuther übernimmt die Mehrheit an C. M. Hutschenreuther; beide verschmelzen zur Hutschenreuther AG.
1998Aus der Hutschenreuther AG geht die BHS tabletop AG hervor, spezialisiert auf Porzellan für Hotels und Restaurants; die Marke Hutschenreuther geht zunächst an die Winterling Porzellan AG.
2000Die Marke Hutschenreuther gehört seitdem zu Rosenthal.
2009Mit Rosenthal geht die Marke an die italienische Sambonet Paderno Industrie (Arcturus Group).

Die beiden Selber Häuser waren übrigens schon früh verbunden: Philipp Rosenthal bemalte in seinen Anfangsjahren Weißware von Hutschenreuther. Seine Geschichte lesen Sie im Beitrag über Rosenthal Porzellan.

Bodenmarken: Hohenberg, Selb und der Löwe

Für die Datierung zählt, welches Werk auf dem Boden genannt ist und welche Zusätze dabei stehen. Diese Merkmale helfen beim Einordnen:

Auf dem BodenWas es bedeutet
„C. M. Hutschenreuther“ oder „Hohenberg“Stammfabrik in Hohenberg an der Eger, in der Regel vor der Fusion 1969/70 entstanden
„Lorenz Hutschenreuther“, „Selb“ oder Monogramm „L. HR.“Fabrik in Selb; das Monogramm „L. HR.“ ist ab 1870 belegt
„Kunstabteilung“Figuren und Zierporzellan der 1917 gegründeten Kunstabteilung in Selb
Löwelaut Hersteller seit 1919 das Markenzeichen von Hutschenreuther
„1814“Gründungsjahr der Marke – kein Herstellungsjahr
„Bavaria“ oder „Germany“Herkunftsangabe; seit dem US-Zollgesetz von 1890 mussten Exportwaren das Herkunftsland tragen, solche Marken sind daher meist nach 1891 entstanden
Jahreszahl im DekorJahresstücke wie Weihnachtsglocken, Weihnachts- und Osterteller lassen sich aufs Jahr genau datieren
eingeschliffene Striche durch die MarkeWare zweiter Wahl, die Sammler deutlich niedriger bewerten

Ein häufiges Missverständnis: Die Jahreszahl 1814 neben dem Löwen sagt nichts über das Alter Ihres Tellers aus. Viele Stücke mit diesem Logo stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie Sie Marken grundsätzlich lesen und vergleichen, zeigt der Ratgeber Porzellanmarken erkennen.

Die Kunstabteilung: Figuren aus Selb

Für Sammler sind die Figuren und Zierstücke der Selber Kunstabteilung der interessanteste Teil der Hutschenreuther-Geschichte. Die Abteilung entstand 1917; künstlerischer Leiter war zunächst Fritz Klee, der Leiter der Fachschule in Selb.

  • 1922 übernahmen die Bildhauer Karl Tutter und Carl Werner die künstlerische Leitung.
  • 1934 kam Max Adolf Pfeiffer, zuvor Generaldirektor der Meissener Manufaktur, als Berater nach Selb und gewann Künstler wie Paul Scheurich, Max Esser und Emil Paul Börner.
  • Ab Ende der 1950er Jahre arbeiteten zunehmend freie Künstler für die Kunstabteilung, betreut von Hans Achtziger.
  • Eine Studienreise von Gunther Granget nach Nordamerika führte zu seinen bekannten Vogelfiguren.

Schon vor der Kunstabteilung holte die Selber Fabrik Künstler ins Haus: Ab 1880 arbeitete sie mit Leopold Gmelin und anderen zusammen, und um 1903 entstand eine Schale mit stilisierten Rosen nach einem Entwurf des Jugendstil-Künstlers Hans Christiansen. Wie die europäische Porzellanfigur ihren Anfang nahm, lesen Sie im Beitrag über Meissener Porzellan.

Bekannte Kollektionen und Jahresstücke

Unter dem Löwen sind über die Jahrzehnte unzählige Services erschienen. Einige Kollektionen führt Hutschenreuther bis heute im Programm – praktisch, wenn Sie ein geerbtes Service ergänzen möchten:

  • Maria Theresia: klassische Form, im aktuellen Sortiment unter anderem mit dem Dekor Medley
  • Blue Onion: das Zwiebelmuster, ein Dekor, das ursprünglich aus Meissen stammt und von vielen Herstellern übernommen wurde
  • Baronesse: Service in weißem Porzellan
  • Weihnachtsglocken: seit 1978 erscheint jedes Jahr eine neue Glocke mit Jahreszahl
  • Sammlereditionen zu Weihnachten und Ostern, darunter Glocken und Teller

Jahresstücke sind leicht zu datieren und werden gern als Reihe gesammelt. Heben Sie Originalverpackung und Beilagen auf: Komplette Stücke lassen sich leichter verkaufen. Ob sich der frühere Neupreis wieder erzielen lässt, hängt allein von der aktuellen Nachfrage ab.

Was ist Hutschenreuther Porzellan wert?

Eine verbindliche Preisliste gibt es nicht. Den Wert bestimmen Werk und Alter, Form und Dekor, Zustand und Vollständigkeit – und vor allem die Nachfrage. Diese Faktoren sollten Sie kennen:

FaktorWirkung auf den Preis
Figuren der Kunstabteilungfür Sammler meist am interessantesten; wichtig sind eine klar lesbare Marke und der Name des Bildhauers
Jugendstil- und Art-déco-Dekorehöher als spätere Serienware, wenn Bemalung und Goldrand gut erhalten sind
Alltagsservices mit Druckdekorerzielen meist nur einen Bruchteil des früheren Neupreises
Vollständigkeitein komplettes Service für 6 oder 12 Personen verkauft sich leichter als einzelne Teile
SchädenAbplatzer, Haarrisse, Goldabrieb und Klebestellen mindern den Wert deutlich
zweite WahlSchleifstriche durch die Marke senken den Preis

Verlässlicher als jede Schätzung sind tatsächlich erzielte Preise: Vergleichen Sie abgeschlossene Verkäufe mit gleicher Form, gleichem Dekor und ähnlichem Zustand. Bei Figuren und frühen Stücken lohnt die Einschätzung eines Auktionshauses mit Porzellanabteilung, bevor Sie einen Preis festlegen.

Hutschenreuther verkaufen oder ergänzen

  • Fotografieren Sie die Marke scharf und von oben, dazu jedes Teil einzeln und das Service als Gruppe.
  • Notieren Sie Formname und Dekor, falls sie auf dem Boden stehen, und nennen Sie beides im Anzeigentitel.
  • Zählen Sie die Teile und messen Sie Teller (Durchmesser) und Kannen (Höhe).
  • Beschreiben Sie Schäden offen; Käufer fragen sonst nach und springen ab.
  • Für Services eignen sich Kleinanzeigen, für Figuren und Jugendstilstücke eher Auktionshäuser oder spezialisierte Händler.

Wer umgekehrt Einzelteile nachkaufen will, sucht gezielt nach Form und Dekor. Tipps zu Kauf und Verkauf über Flohmarkt, Kleinanzeigen und Auktion finden Sie im Ratgeber Sammelporzellan.

Pflege: Spülmaschine, Gold und Mikrowelle

Neueres Hutschenreuther-Geschirr trägt meist Symbole für Spülmaschine und Mikrowelle auf dem Boden. Für ältere Stücke und alles mit Gold- oder Platinrand gilt:

  • von Hand spülen, in lauwarmem Wasser mit mildem Spülmittel
  • keine Scheuermilch und keine Topfschwämme mit Kratzseite auf Dekoren
  • Edelmetallränder nicht in die Mikrowelle – sie können Funken schlagen
  • Teller mit Filz- oder Papierzwischenlagen stapeln, Tassen nicht ineinanderstellen

Ausführlich erklärt der Ratgeber Porzellan in Spülmaschine und Mikrowelle, was Sie Ihrem Geschirr zumuten können.

Hutschenreuther im Museum: Porzellanikon Hohenberg

Der Ort, an dem alles begann, ist heute ein Museum: Das Porzellanikon in Hohenberg an der Eger zeigt in der ehemaligen Direktorenvilla von Hutschenreuther die Geschichte des Porzellans im deutschsprachigen Raum, mit rund 10.000 Exponaten und wechselnden Sonderausstellungen. Der zweite Standort liegt im ehemaligen Rosenthal-Werk in Selb. Mehr zum Besuch lesen Sie im Beitrag Porzellanikon in Selb und Hohenberg, weitere Ziele unter Porzellanmuseen in Deutschland.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Löwe auf Hutschenreuther Porzellan?

Der Löwe ist das Markenzeichen von Hutschenreuther, laut Hersteller seit 1919. Er sagt aus, von welcher Marke das Stück stammt, aber nicht, wie alt es ist.

Ist Hutschenreuther Porzellan von 1814?

Fast nie. 1814 ist das Gründungsjahr der Marke und steht deshalb im Logo. Die meisten Stücke mit dieser Jahreszahl wurden im 20. oder 21. Jahrhundert hergestellt.

Was ist der Unterschied zwischen C. M. Hutschenreuther und Lorenz Hutschenreuther?

C. M. Hutschenreuther ist die Stammfabrik in Hohenberg an der Eger, Lorenz Hutschenreuther die 1857 gegründete Fabrik des Sohnes in Selb. Bis 1969/70 waren es getrennte Unternehmen mit eigenen Marken.

Gibt es Hutschenreuther noch?

Ja. Die Marke gehört seit 2000 zu Rosenthal und damit heute zur italienischen Arcturus Group. Kollektionen wie Maria Theresia und Blue Onion sind weiterhin erhältlich.

Seit wann gibt es die Hutschenreuther Weihnachtsglocke?

Seit 1978 bringt Hutschenreuther jedes Jahr eine neue Weihnachtsglocke heraus. Die Jahreszahl steht im Dekor, deshalb lassen sich die Glocken genau datieren.

Welche Hutschenreuther-Figuren sind bekannt?

Bekannt sind die Figuren der Selber Kunstabteilung, etwa nach Modellen von Karl Tutter, Carl Werner oder Paul Scheurich, und die Vogelfiguren von Gunther Granget.

Ist Hutschenreuther Porzellan spülmaschinenfest?

Neuere Stücke ohne Edelmetall meist ja – maßgeblich ist das Symbol auf dem Boden. Alte Teile und alles mit Gold- oder Platinrand spülen Sie besser von Hand.

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