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Keramik selber machen

Wie wird Keramik hergestellt? Vom Ton zur fertigen Tasse

PureKeramik Manufaktur · · 7 Min. Lesezeit

Keramik wird in sechs Schritten hergestellt: Rohstoffe aufbereiten, formen, trocknen, im Schrühbrand bei 900–1000 °C festigen, glasieren und im Glattbrand bei 1000–1400 °C fertig brennen. Geformt wird je nach Stück und Betrieb durch Drehen, Aufbauen, Gießen oder Pressen. Hier sehen Sie jeden Schritt mit Temperaturen und Zeiten – vom Tonklumpen bis zur fertigen Tasse.

Woraus besteht Keramik?

Keramik entsteht aus Ton und anderen mineralischen Rohstoffen, die durch Brennen dauerhaft hart werden. Ton liefert die Formbarkeit, Kaolin (Porzellanerde) die weiße Farbe, Quarz das Gerüst und Feldspat wirkt als Flussmittel, das im Brand schmilzt und die Teilchen verbindet. Je nach Mischung und Brenntemperatur entstehen ganz unterschiedliche Werkstoffe:

KeramikartHauptrohstoffeBrenntemperaturScherben
Irdenware, Terrakottarot brennender Tonca. 900–1050 °Cporös, unglasiert wasserdurchlässig
SteingutTon, Kaolin, Quarz, Kalk oder Feldspatca. 1000–1150 °Cporös unter der Glasur
SteinzeugSteinzeugton, Quarz, Feldspatca. 1200–1300 °Cdicht gesintert, kaum Wasseraufnahme
PorzellanKaolin, Feldspat, Quarz, klassisch etwa im Verhältnis 2 : 1 : 1ca. 1250–1400 °Cverglast, weiß, durchscheinend

Wie sich diese Keramikarten im Alltag unterscheiden, erklärt der Ratgeber Was ist Keramik?.

So wird Keramik hergestellt: sechs Schritte im Überblick

Die Keramikherstellung folgt in der kleinen Werkstatt wie in der Industrie denselben Grundschritten. Unterschiedlich sind vor allem die Formgebung und der Grad der Automatisierung.

SchrittWas passiertDauer (Richtwert, Werkstatt)
1. AufbereitenTon mischen, kneten, entlüftenMinuten pro Portion
2. FormenDrehen, Aufbauen, Gießen oder Pressen, danach Henkel ansetzen und versäubernMinuten bis Stunden pro Stück
3. TrocknenWasser verdunstet, der Ton schwindetca. 1–2 Wochen
4. Schrühbrandca. 900–1000 °C, Scherben wird fest und bleibt porösca. 1 Tag inkl. Abkühlen
5. GlasierenTauchen, Schütten, Spritzen oder PinselnMinuten pro Stück
6. Glattbrandca. 1000–1400 °C je nach Masse, Glasur schmilzt, Scherben wird dichtca. 1–2 Tage inkl. Abkühlen

Rechnet man Trocknen und beide Brände zusammen, vergehen von der Formgebung bis zur fertigen Tasse meist zwei bis vier Wochen.

Schritt 1: Ton aufbereiten

In der Werkstatt wird Ton vor dem Formen gründlich geknetet. Das macht die Masse gleichmäßig und drückt Luftblasen heraus, die beim Formen stören und im Brand Schäden verursachen können.

In der Industrie beginnt die Aufbereitung früher: Rohstoffe werden gemahlen, mit Wasser zu einem Schlicker gemischt, gesiebt und mit Magneten von Eisenteilchen befreit. Filterpressen entziehen wieder Wasser, Vakuumstrangpressen entlüften die Masse und formen sie zu handlichen Strängen. Für das Pressen wird die Masse dagegen zu feinem Granulat getrocknet.

Schritt 2: Formgebung durch Drehen, Aufbauen, Gießen oder Pressen

VerfahrenSo funktioniert esTypisch für
Drehen an der TöpferscheibeTon wird auf der rotierenden Scheibe zentriert, geöffnet und zu einer Wand hochgezogenBecher, Schalen und Vasen aus Töpferwerkstätten
Eindrehen und ÜberdrehenTon wird in oder auf einer rotierenden Gipsform mit einer Schablone ausgeformtTassen und Teller in Serie
Aufbauen von HandDaumen-, Wulst- oder PlattentechnikUnikate, Skulpturen, Kurse
Schlickergussflüssige Gießmasse in saugfähigen GipsformenKannen, Figuren, Sanitärkeramik
PressenGranulat oder plastische Masse wird unter hohem Druck in Form gebrachtTeller, Fliesen
StrangpressenMasse wird durch ein Mundstück gedrücktZiegel, Rohre, Fliesen

Nach dem Formen folgen Feinarbeiten: Henkel und Tüllen werden mit etwas Schlicker angesetzt, Nähte und Kanten geglättet, Füße nachgearbeitet. Wie das Gießen genau funktioniert, zeigt Keramik gießen, wie ein Teller aus einer Tonplatte entsteht, Teller töpfern.

Schritt 3: Trocknen

Frisch geformter Ton enthält viel Wasser. Beim Trocknen verdunstet es, und der Ton schwindet um etwa 5–8 %. Zuerst wird das Stück lederhart: fest genug, um Henkel anzusetzen oder Füße nachzuarbeiten. Danach trocknet es weiter, bis es knochentrocken ist und gleichmäßig hell aussieht. Trocknet ein Stück zu schnell oder ungleichmäßig, verzieht es sich oder bekommt Risse – deshalb trocknet man langsam und anfangs unter Folie.

Schritt 4: Schrühbrand

Im ersten Brand, dem Schrühbrand, wird das Stück auf etwa 900–1000 °C erhitzt. Zwischen 450 und 600 °C entweicht das chemisch gebundene Wasser, organische Bestandteile verbrennen, und der Ton wandelt sich unumkehrbar in Keramik um. Bei 573 °C ändert der enthaltene Quarz sprunghaft sein Volumen. Deshalb heizt und kühlt man in diesem Bereich langsam. Der Schrühling ist danach hart genug zum Anfassen, aber noch porös und saugt die Glasur gut auf.

Schritt 5: Glasieren

Die Glasur ist eine Aufschlämmung aus Quarz, Flussmitteln und färbenden Oxiden. Sie wird durch Tauchen, Schütten, Spritzen oder Pinseln aufgetragen. Die Standfläche bleibt frei, damit das Stück im Brand nicht an der Brennplatte festschmilzt. Je nach Schichtdicke, Auftrag und Position im Ofen fällt die Glasur später etwas unterschiedlich aus – an Kanten wird sie dünner und heller, an dicken Stellen kräftiger in der Farbe. Methoden und typische Fehler beschreibt der Ratgeber Keramik glasieren.

Schritt 6: Glatt- oder Glasurbrand

Im zweiten Brand schmilzt die Glasur zu einer glatten, geschlossenen Schicht und verbindet sich mit dem Scherben. Steingut wird dabei um 1000–1100 °C gebrannt, Steinzeug bei 1200–1300 °C, Porzellan bei 1250–1400 °C. Bei Steinzeug und Porzellan sintert der Scherben dicht, Porzellan wird zusätzlich durchscheinend. Danach kühlt der Ofen langsam ab; geöffnet wird er erst bei unter etwa 100 °C. Wie ein Brennofen arbeitet und welche Brennkurven üblich sind, steht im Ratgeber Brennofen für Keramik.

  • Gut zu wissen: Bei industriellem Steingut ist die Reihenfolge der Temperaturen oft umgekehrt – erst ein heißer Rohbrand, dann ein kühlerer Glattbrand.
  • Dekore auf der Glasur, etwa Gold oder Abziehbilder, brauchen einen dritten, niedrigeren Brand um 800 °C.
  • Manche Werkstätten brennen nur einmal, mit Glasur auf dem ungebrannten Stück. Das spart Energie, ist aber fehleranfälliger.

Kontrolle und Nacharbeit

Nach dem Glattbrand wird jedes Stück geprüft: Hat es Risse oder Abplatzer, ist der Rand glatt, sitzt der Henkel fest, ist das Gefäß dicht? Unglasierte Standringe werden oft glatt geschliffen, damit sie keine Tischplatten zerkratzen. Stücke mit kleinen Schönheitsfehlern werden häufig als 2. Wahl verkauft. Welche Symbole Ihnen auf dem Boden etwas über Spülmaschine und Mikrowelle verraten, erklärt der Ratgeber Symbole auf Geschirr.

Gedreht, gegossen oder gepresst: Woran Sie die Herstellung erkennen

  • feine, spiralförmige Rillen innen und ein Abschneidemuster am Boden sprechen für ein Stück von der Töpferscheibe
  • eine feine, geglättete Linie über die ganze Höhe, die Formnaht, verrät ein gegossenes Stück
  • sehr gleichmäßige Wandstärken und völlig identische Teller deuten auf industrielles Pressen oder Eindrehen hin
  • Fingerspuren, leicht unregelmäßige Wände und sichtbare Wülste oder Plattennähte gehören zur Aufbaukeramik

Über die Qualität sagt das Verfahren allein wenig. Wichtiger sind ein dicht gebrannter Scherben, eine gut aufgeschmolzene Glasur und saubere Kanten. Ein einfacher Test: Ein Wassertropfen auf dem unglasierten Standring zieht bei porösem Steingut schnell ein, auf dichtem Steinzeug oder Porzellan bleibt er stehen.

Was bedeutet „handgemachte Keramik“?

„Handgemacht“ ist kein geschützter Begriff. Fragen Sie deshalb immer, was genau von Hand geschieht: das Formen, das Glasieren, das Bemalen oder die Nacharbeit an Kanten und Füßen. Gute Anbieter sagen das konkret.

In unserer Manufaktur glasieren wir jedes Stück von Hand, Dekore malen wir mit dem Pinsel, und jedes Stück wird zweimal gebrannt (950 °C und 1250 °C). Glasiert wird im Tauchverfahren – deshalb verlaufen Glasurkante und Glasurläufer bei jedem Exemplar ein wenig anders. Kanten und Standringe glätten wir von Hand. Unser Porzellan erreicht im Glattbrand 1280 °C. Weil Trocknen und zwei Brände Zeit brauchen, rechnen wir für eine Serie Tassen mit Logo mit 4–6 Wochen ab Freigabe des Musters. Stücke mit kleinen Schönheitsfehlern finden Sie als 2. Wahl im Outlet.

Keramik selbst herstellen

Für den eigenen Einstieg brauchen Sie keine Werkstatt voller Maschinen: Ton, ein paar Werkzeuge und Zugang zu einem Brennofen reichen. Wie Sie anfangen – im Kurs oder zu Hause –, zeigt Töpfern für Anfänger, welcher Ton passt, steht unter Ton zum Töpfern. Ohne Ofen bleiben lufttrocknender Ton und Kaltporzellan – schön für Deko, aber nicht für Geschirr.

Häufige Fragen

Wie wird Keramik hergestellt?

Ton wird aufbereitet, geformt, getrocknet, im Schrühbrand bei 900–1000 °C gefestigt, glasiert und im Glattbrand bei 1000–1400 °C fertig gebrannt.

Woraus besteht Keramik?

Aus Ton und weiteren mineralischen Rohstoffen wie Kaolin, Quarz und Feldspat, die durch Brennen dauerhaft hart werden.

Bei welcher Temperatur wird Keramik gebrannt?

Der Schrühbrand liegt bei 900–1000 °C, der Glattbrand bei Steingut um 1000–1100 °C, bei Steinzeug bei 1200–1300 °C und bei Porzellan bei bis zu 1400 °C.

Wie lange dauert es, eine Tasse herzustellen?

Meist zwei bis vier Wochen. Die meiste Zeit brauchen das Trocknen und die zwei Brände mit Abkühlen.

Warum wird Keramik zweimal gebrannt?

Nach dem Schrühbrand ist das Stück fest und saugt die Glasur gleichmäßig auf. Im zweiten Brand schmilzt die Glasur, und der Scherben wird dicht.

Was ist der Unterschied zwischen Steingut und Steinzeug?

Steingut wird niedriger gebrannt und bleibt porös, Steinzeug wird bei 1200–1300 °C dicht gesintert und nimmt kaum Wasser auf.

Ist handgemachte Keramik spülmaschinenfest?

Das hängt von Scherben und Glasur ab. Dicht gebranntes Steinzeug mit geeigneter Glasur verträgt die Spülmaschine, poröses Steingut eher nicht.

Woran erkennt man gedrehte Keramik?

An feinen, spiralförmigen Rillen auf der Innenseite und an einem Abschneidemuster am Boden.

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