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Keramik selber machen

Keramik glasieren: Methoden, Glasurbrand und häufige Fehler

PureKeramik Manufaktur · · 6 Min. Lesezeit

Keramik glasieren Sie in drei Schritten: Glasur auf den geschrühten, staubfreien Scherben auftragen – durch Tauchen, Schütten, Pinseln oder Spritzen –, vollständig trocknen lassen und bei der angegebenen Temperatur brennen. Hier lesen Sie, wie Sie Pulverglasur anrühren, welche Methode wofür taugt und woran Sie typische Glasurfehler erkennen und vermeiden.

Was ist eine Glasur?

Eine Glasur ist eine dünne Glasschicht, die im Brand auf der Keramik entsteht. Vor dem Brand ist sie eine Aufschlämmung aus Rohstoffen in Wasser: Quarz bildet das Glas, Flussmittel wie Feldspat oder Kreide senken den Schmelzpunkt, Kaolin macht die Schmelze zäh, Metalloxide wie Kobalt, Eisen oder Kupfer färben. Im Ofen schmilzt diese Mischung zu einer glatten, dichten Schicht, die den Scherben schützt und ihm Farbe gibt.

Glasur und Ton müssen in der Temperatur zusammenpassen. Eine Steingutglasur wird auf Steinzeugtemperatur zu flüssig und läuft ab, eine Steinzeugglasur bleibt auf Steingut roh und rau.

GlasurtypBrennbereichTypisch für
Steingut- oder Niedrigbrandglasurca. 1020–1100 °CSteingut, Terrakotta, Majolika
Steinzeugglasurca. 1180–1280 °CSteinzeug und Gebrauchsgeschirr
Porzellanglasurca. 1250–1400 °CPorzellan
Rakuglasurca. 900–1000 °CRaku, nicht für Geschirr

Flüssig- oder Pulverglasur?

Flüssigglasuren sind fertig angerührt und meist mit einem Bindemittel zum Pinseln eingestellt. Sie sind bequem, eignen sich für kleine Mengen und Details, kosten pro Kilogramm aber deutlich mehr. Pulverglasuren rühren Sie selbst mit Wasser an. Sie sind günstiger und die richtige Wahl, wenn Sie tauchen oder schütten und dafür einen ganzen Eimer Glasur brauchen.

Pulverglasur anrühren: Schritt für Schritt

  • Mit Staubmaske (mindestens FFP2) und Handschuhen arbeiten – Glasurstaub gehört nicht in die Lunge.
  • Wasser vorlegen und das Pulver einstreuen, nicht umgekehrt.
  • Mengen als Richtwert: zum Pinseln auf 1 kg Pulver etwa 550–700 ml Wasser, zum Tauchen, Schütten und Spritzen etwa 700–1000 ml. Transparente Glasuren rühren Sie eher dünner an.
  • Einige Stunden quellen lassen, dann mit einem Rührstab auf der Bohrmaschine klümpchenfrei mischen.
  • Durch ein feines Glasursieb streichen. Ausnahme: Effektglasuren nicht sieben, denn ihre Körnchen erzeugen den Effekt.
  • Konsistenz prüfen: etwa wie Sahne. Vor jedem Gebrauch gründlich aufrühren, weil sich die Glasur absetzt.
  • Mischverhältnis notieren, damit Sie das Ergebnis wiederholen können.

Den Schrühling vorbereiten

Glasiert wird meist der Schrühling, also das Stück nach dem ersten Brand bei 900–950 °C. Er ist fest und saugt die Glasur gleichmäßig auf. Wie der Schrühbrand abläuft, erklärt der Ratgeber Brennofen für Keramik.

  • Staub mit einem feuchten Schwamm abwischen und das Stück nicht mit eingecremten Händen anfassen – Fett stößt Glasur ab.
  • Standfläche mit Abdeckwachs einstreichen oder frei lassen: Glasur am Fuß klebt das Stück im Brand an der Brennplatte fest.
  • 3–5 mm über dem Fuß glasurfrei halten, weil die Glasur im Brand etwas nach unten läuft.
  • Sehr stark saugende Stücke vorher kurz anfeuchten, damit die Schicht nicht zu dick wird.

Keramik glasieren: die vier Methoden

MethodeSo geht esGut fürTipp
TauchenStück 2–4 Sekunden in die Glasur tauchen, gleichmäßig herausziehen, abtropfen lassengleichmäßigste Schicht, ganze Stücke in einem ZugGlasurzange verwenden, Griffstellen danach mit dem Pinsel ausbessern
SchüttenGlasur innen einfüllen, schwenken, ausgießen; danach außen übergießenInnenseiten von Tassen und Schalen, große Stückeerst innen, dann außen glasieren
Pinseln2–3 Schichten kreuzweise auftragen, jede antrocknen lassenFlüssigglasuren, Details, kleine Mengenbreiter, weicher Glasurpinsel
SpritzenGlasur mit der Spritzpistole fein auftragenFarbverläufe, große Flächennur in einer Spritzkabine mit Absaugung und mit Atemschutz

Bei der Schichtdicke gilt: Zu dünn wird die Glasur rau und stumpf, zu dick läuft sie ab oder rollt sich zusammen. Mehrere dünne Schichten sind sicherer als eine dicke. Ein dickerer Auftrag verstärkt Farben und Effekte, ein sehr dünner macht viele Glasuren matter. Halten Sie sich an die Angaben auf der Packung und testen Sie neue Glasuren zuerst auf Probestücken.

Glasuren kombinieren und Effektglasuren nutzen

Effektglasuren enthalten Bestandteile, die im Brand Sprenkel, Schlieren, Kristalle oder Farbverläufe bilden. Auch zwei übereinander getauchte Glasuren erzeugen Übergänge, die eine einzelne Glasur nicht schafft. Das Ergebnis hängt von Reihenfolge, Schichtdicke und Brenntemperatur ab. Brennen Sie deshalb Proben auf senkrecht stehenden Testplättchen: So sehen Sie auch, wie stark eine Kombination läuft.

Klassiker wie Seladon, Tenmoku und Ascheglasuren stellt der Ratgeber Glasurarten vor. Wie Sie mit farbigem Tonschlicker unter der Glasur zeichnen und kratzen, zeigt Engobe und Sgraffito.

In unserer Manufaktur glasieren wir jedes Stück von Hand im Tauchverfahren. Deshalb verlaufen Glasurkante und Glasurläufer bei jedem Exemplar ein wenig anders. Wie neun unserer Glasuren auf Steinzeug aussehen, zeigt die Glasurmuster-Box.

Glasurbrand: Darauf kommt es an

  • Glasur vollständig trocknen lassen, am besten über Nacht.
  • Standflächen glasurfrei halten und Brennplatten mit Plattentrennmittel streichen.
  • Stücke mit etwa 1 cm Abstand stellen, damit sie nicht zusammenschmelzen.
  • Temperatur und Heizrate nach Angabe der Glasur wählen, Glasur und Masse müssen zusammenpassen.
  • Den Ofen erst unter etwa 100 °C öffnen.

Häufige Glasurfehler und ihre Ursachen

FehlerSo sieht es ausHäufige UrsacheAbhilfe
AblaufenGlasur läuft auf die Brennplatte, das Stück klebt festSchicht zu dick, zu heiß gebranntdünner auftragen, Fußzone frei lassen, Temperatur prüfen
Abrollen (Kriechen)Glasur zieht sich zu Inseln zusammen, nackte StellenStaub oder Fett auf dem Schrühling, Schicht zu dickSchrühling feucht abwischen, dünner auftragen
Nadelstiche und Kraterkleine Löcher und offene BläschenGase aus dem Scherben, zu schnelles AufheizenSchrühbrand vollständig durchführen, langsamer brennen, kurze Haltezeit
Haarrisse (Craquelé)Netz feiner Risse in der GlasurGlasur schwindet beim Abkühlen stärker als der ScherbenGlasur passend zur Masse wählen; als Effekt gewollt, bei Geschirr unerwünscht
AbplatzenGlasur splittert an Kanten und Rändern abGlasur dehnt sich viel weniger aus als der Scherbenandere Glasur oder Masse wählen
Raue, stumpfe Stellensandig, matt, ohne GlanzSchicht zu dünn oder zu niedrig gebranntdicker auftragen, Brenntemperatur prüfen

Haarrisse können auch Jahre nach dem Brand entstehen. Mehr zu Rissen, Temperaturschock und Abplatzern lesen Sie im Ratgeber Warum Keramik springt.

Lebensmittelecht glasieren

  • Für Geschirr nur Glasuren verwenden, die der Hersteller ausdrücklich für Ess- und Trinkgeschirr freigibt, und sie bei der angegebenen Temperatur brennen – unterbrannte Glasuren können Stoffe abgeben.
  • Glasuren mit dem Hinweis „nicht für Ess- und Trinkgeschirr“ nur außen oder für Deko einsetzen.
  • Raku- und Craquelé-Glasuren sind in der Regel nicht für Lebensmittel gedacht.
  • Innenseiten von Tassen und Schalen vollständig und glatt glasieren, damit sich nichts in Poren festsetzt.

Welche Grenzwerte für Blei und Cadmium gelten, erklärt der Ratgeber Blei und Cadmium in Keramik. Unsere Glasuren sind bleifrei und entstehen nach eigenen Rezepturen; jede neue Glasurcharge wird auf Lebensmittelechtheit geprüft.

Glasieren ohne Brennofen? Kaltglasur und Alternativen

Eine echte Glasur braucht immer einen Brand. Produkte, die als Kaltglasur verkauft werden, sind Lacke oder Gießharze: Sie glänzen, sind aber kein Glas und nicht für Geschirr gedacht. Wer ohne Ofen Keramik gestalten möchte, bemalt fertig glasierte Stücke mit Porzellanfarben für den Backofen – welche Farben halten, steht im Ratgeber Keramikfarben. Für echte Glasuren bieten viele Töpferwerkstätten einen Brennservice an.

Häufige Fragen

Wie glasiert man Keramik?

Den geschrühten Scherben feucht abwischen, die Standfläche frei lassen oder abwachsen, Glasur durch Tauchen, Schütten oder Pinseln auftragen, trocknen lassen und bei der Temperatur der Glasur brennen.

Kann man Keramik ohne Brennofen glasieren?

Nein. Sogenannte Kaltglasuren sind Lacke oder Harze, keine Glasur im keramischen Sinn, und nicht für Geschirr geeignet.

Wie viele Schichten Glasur trägt man mit dem Pinsel auf?

Meist zwei bis drei, kreuzweise und jede angetrocknet. Maßgeblich ist die Angabe des Herstellers.

Wie lange muss Glasur vor dem Brand trocknen?

Bis sie vollständig trocken ist – in der Regel reicht eine Nacht. Feuchte Glasur kann im Brand abplatzen oder Blasen werfen.

Warum läuft die Glasur im Ofen ab?

Meist ist die Schicht zu dick oder der Brand zu heiß. Lassen Sie 3–5 mm über dem Fuß frei und testen Sie Kombinationen auf senkrechten Probestücken.

Warum wird der Boden nicht glasiert?

Glasur am Fuß würde das Stück im Brand an der Brennplatte festschmelzen. Deshalb bleibt die Standfläche frei oder wird abgewachst.

Kann man zwei Glasuren übereinander auftragen?

Ja, das ergibt oft schöne Übergänge. Testen Sie die Kombination vorher, denn übereinanderliegende Glasuren laufen stärker.

Kann man glasierte Keramik noch einmal glasieren?

Ja. Weil die gebrannte Glasur nicht mehr saugt, rühren Sie die neue Glasur etwas dicker an oder geben einen Glasurbinder zu und brennen erneut.

Produkte aus diesem Ratgeber

Steinzeugtasse Sand Dune

320 ml (Filterkaffee, Cappuccino), Sandmatt

22,90 €

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