Glasurarten: Seladon, Tenmoku, Effektglasur und gesprenkeltes Steinzeug
Glasurarten unterscheiden sich nach Brenntemperatur, Oberfläche und Effekt: von transparent und glänzend über seidenmatt bis zu Effektglasuren, die im Brand Schlieren, Sprenkel oder Kristalle bilden. Hier finden Sie die wichtigsten Glasuren für Keramik – Seladon, Tenmoku, Asche-, Salz- und Kristallglasur, gesprenkeltes Steinzeug – mit Herkunft, Wirkung, Pflege und Hinweisen zur Lebensmittelsicherheit.
Was ist eine Glasur – und woraus besteht sie?
Eine Glasur ist eine dünne Glasschicht, die im Brand auf der Keramik schmilzt und mit dem Scherben verwächst. Vor dem Brand ist sie eine Aufschlämmung fein gemahlener Rohstoffe in Wasser. Nach dem Abkühlen bildet sie eine glatte, harte und dichte Oberfläche, die Farbe und Glanz bestimmt.
| Bestandteil | Aufgabe |
|---|---|
| Quarz | bildet das Glas |
| Flussmittel wie Feldspat, Kalk, Natrium- oder Kaliumverbindungen | senken den Schmelzpunkt |
| Tonerde, meist aus Kaolin | macht die Schmelze zäh, damit sie nicht abläuft |
| Metalloxide | färben: Eisen, Kobalt, Kupfer, Chrom, Mangan |
| Trübungsmittel wie Zinn- oder Zirkonoxid | machen die Glasur deckend statt durchsichtig |
Glasuren für Keramik nach Temperatur und Oberfläche
| Einteilung | Arten | Merkmal |
|---|---|---|
| Brenntemperatur | Steingut- oder Niedrigbrandglasur (ca. 1020–1100 °C), Steinzeugglasur (ca. 1180–1280 °C), Porzellanglasur (ca. 1250–1400 °C) | muss zum Brennbereich des Tons passen |
| Oberfläche | glänzend, seidenmatt, matt | matt durch mehr Tonerde oder Kristalle, die beim Abkühlen wachsen |
| Durchsicht | transparent oder deckend | transparent zeigt Ton, Engobe und Malerei darunter |
| Effekt | Effekt-, Lauf-, Kristall- und Krakeleeglasuren | Ergebnis bei jedem Brand etwas anders |
Wie Sie Glasuren anrühren, auftragen und brennen, erklärt der Ratgeber Keramik glasieren.
Seladon: das zarte Grün aus China
Seladon ist eine durchscheinende Glasur in blassem Grün, Blaugrün oder Graugrün. Ihre Farbe verdankt sie einem kleinen Anteil Eisenoxid, der klassisch im reduzierenden Brand bei rund 1250–1300 °C zu dem typischen kühlen Ton wird. Die Glasur stammt aus China, berühmt sind auch die koreanischen Seladone des 12. Jahrhunderts. Wo die Schicht dicker ist, etwa in Vertiefungen eines Reliefs, wird das Grün satter – deshalb wirkt Seladon auf Porzellan und hellem Steinzeug besonders schön. Für Elektroöfen gibt es Rezepturen, die den Farbton im oxidierenden Brand nachempfinden.
Gut zu wissen: Der Name geht auf den Schäfer Céladon zurück, eine Figur aus einem französischen Roman des 17. Jahrhunderts, der graugrüne Bänder trug. Unsere Porzellan-Linie gibt es in Porzellanweiß und mit Seladon-Glasur auf weißem Porzellan.
Tenmoku: Eisenglasur von Honigbraun bis Schwarz
Tenmoku ist eine eisenreiche Glasur, die nach dem Brand von tiefem Honigbraun bis Glanzschwarz reicht. An Kanten und Rändern, wo die Schicht dünner ist, schimmert sie rostbraun. Der Name ist die japanische Lesart des Tianmu-Gebirges in China: Von dort brachten japanische Mönche dunkel glasierte Teeschalen mit. Seladon innen und Tenmoku außen ist eine beliebte Kombination mit starkem Kontrast. Mehr über Teeschalen und japanische Glasurtraditionen lesen Sie im Ratgeber Japanische Keramik.
Effektglasur für Keramik: Schlieren, Tropfen, Farbverläufe
Effektglasuren sind Glasuren, deren Bestandteile im Brand miteinander und mit dem Scherben reagieren. Dabei entstehen Schlieren, Tropfen, Sprenkel, Kristalle oder fließende Farbübergänge – bei jedem Stück ein wenig anders. Oft heißen sie auch reaktive Glasuren.
- Schichtdicke und Temperatur verändern das Ergebnis stark – brennen Sie immer Probestücke.
- Effektglasuren laufen häufig stärker: Lassen Sie über dem Fuß großzügig Platz.
- Pulverglasuren mit Effektkörnchen nicht sieben, sonst verschwindet der Effekt.
- Zwei übereinandergelegte Glasuren ergeben oft eigene Effekte, laufen aber auch stärker.
Gesprenkeltes Steinzeug: Woher die Punkte kommen
Bei gesprenkeltem Steinzeug enthalten Ton oder Glasur feine Eisen- oder Manganteilchen. Im Brand schmelzen sie durch die Glasur und zeichnen sich als braune bis schwarze Punkte ab, besonders deutlich auf hellen, matten Glasuren. Wie viele Sprenkel ein Stück zeigt und wo sie sitzen, entscheidet sich erst im Ofen.
Unser Geschirr aus gesprenkeltem Steinzeug wird von Hand im Tauchverfahren glasiert – deshalb zeigt jedes Stück sein eigenes Bild aus Sprenkeln, Tauchkante und Glasurläufern. Wie neun unserer Glasuren auf Steinzeug wirken, zeigt die Glasurmuster-Box.
Weitere Glasurarten im Überblick
| Glasur | So sieht sie aus | So entsteht der Effekt |
|---|---|---|
| Ascheglasur | grünliche bis braune Läufe, unregelmäßig | Holzasche wirkt als Flussmittel; beim Holzbrand entsteht sie auch von selbst |
| Salzglasur | dünn, glänzend, oft mit Orangenhaut-Struktur | Kochsalz wird bei Höchsttemperatur in den Ofen gegeben und bildet mit dem Scherben eine Glasur |
| Kristallglasur | sichtbare Kristallblüten | zinkreiche Glasur, Kristalle wachsen in einer Haltephase beim Abkühlen |
| Krakelee (Craquelé) | Netz feiner Risse | Glasur schwindet stärker als der Scherben, als Effekt gewollt |
| Laufglasur | dicke Tropfen und Bahnen | sehr flüssige Schmelze bei Höchsttemperatur |
| Rakuglasur | Krakelee, Metallglanz, Rauchschwärzung | Brand bei ca. 900–1000 °C, glühende Entnahme und Räuchern |
| Zinnglasur (Majolika, Fayence) | deckendes Weiß als Malgrund | Zinnoxid trübt die Glasur |
| Lüster | metallisch schimmernd | Metallverbindungen, eingebrannt in einem zusätzlichen Brand bei niedriger Temperatur |
Die Salzglasur prägt bis heute das graue Steinzeug mit Kobaltblau, mehr dazu im Ratgeber Westerwälder Steinzeug. Wie Raku-Effekte entstehen, erklärt Raku-Keramik, die Geschichte der Zinnglasur Majolika und Fayence.
Oxidation und Reduktion: Wie der Brand die Farbe verändert
Dasselbe Metalloxid kann je nach Ofenatmosphäre ganz unterschiedliche Farben ergeben. Im oxidierenden Brand mit genug Sauerstoff, typisch für Elektroöfen, färbt Eisen meist gelblich bis braun, Kupfer grün. Im reduzierenden Brand mit wenig Sauerstoff, möglich in Gas- und Holzöfen, wird Eisen zum Grün oder Blaugrün des Seladons und Kupfer zu tiefem Rot. Deshalb sind Glasuren für Elektroöfen anders zusammengesetzt als klassische Reduktionsglasuren.
Welche Glasur für Tassen und Teller?
- Innenseiten von Tassen und Schalen: glatte, gut eingebrannte Glasur, die sich leicht reinigen lässt
- Rand: rundum glasiert, ohne scharfe Kanten und Abplatzer
- Außenseite: hier dürfen matte Glasuren und Effektglasuren ihre Wirkung zeigen
- Krakelee und Raku nur für Deko oder außen – in den Rissen setzen sich Kaffee und Tee fest
- Geschirr nur mit Glasuren, die für Ess- und Trinkgeschirr gedacht sind; im Zweifel beim Hersteller nachfragen
Welche Rolle Blei und Cadmium spielen und welche Grenzwerte gelten, erklärt der Ratgeber Blei und Cadmium in Keramik. Unsere Glasuren sind bleifrei und entstehen nach eigenen Rezepturen; jede neue Glasurcharge wird auf Lebensmittelechtheit geprüft.
Pflege je nach Glasur
| Glasur | Pflege |
|---|---|
| glänzend | unkompliziert, Spülmaschine meist kein Problem |
| matt und seidenmatt | Spülmaschine oder Hand; graue Besteckspuren mit einer Paste aus Natron und Wasser entfernen |
| gesprenkelt und Effektglasur | wie die Grundglasur; Spülen von Hand schont die Oberfläche zusätzlich |
| Krakelee | lieber von Hand, Risse können sich verfärben |
| Lüster, Gold- und Platinrand | nicht in die Mikrowelle, oft nur Handwäsche |
Woher die grauen Striche auf matten Tellern kommen, lesen Sie unter Besteckspuren entfernen.
Häufige Fragen
Welche Glasurarten gibt es?
Man unterscheidet nach Brenntemperatur (Steingut-, Steinzeug-, Porzellanglasur), nach Oberfläche (glänzend, seidenmatt, matt) und nach Effekt, etwa Seladon, Tenmoku, Asche-, Salz-, Kristall- und Krakeleeglasur.
Was ist eine Effektglasur?
Eine Glasur, deren Bestandteile im Brand reagieren und Schlieren, Sprenkel, Kristalle oder Farbverläufe bilden. Jedes Stück fällt dadurch etwas anders aus.
Was ist Seladon?
Eine durchscheinende, blassgrüne bis blaugrüne Glasur aus China, gefärbt durch wenig Eisenoxid und klassisch reduzierend gebrannt.
Was ist Tenmoku?
Eine eisenreiche Glasur in Honigbraun bis Schwarz, die an dünnen Stellen rostbraun schimmert.
Woher kommen die Punkte bei gesprenkeltem Steinzeug?
Von feinen Eisen- oder Manganteilchen in Ton oder Glasur, die im Brand durch die Glasur schmelzen.
Was ist der Unterschied zwischen Oxidations- und Reduktionsbrand?
Im Oxidationsbrand ist genug Sauerstoff im Ofen, im Reduktionsbrand wenig. Dadurch ergeben dieselben Oxide andere Farben, Eisen etwa Braun oder Seladongrün.
Sind matte Glasuren spülmaschinenfest?
Gut eingebrannte matte Glasuren für Geschirr vertragen die Spülmaschine. Besteck kann graue Abriebspuren hinterlassen, die sich mit Natronpaste entfernen lassen.
Ist Krakelee-Glasur für Geschirr geeignet?
Eher für Deko oder Außenseiten. In den feinen Rissen können sich Getränke und Schmutz festsetzen.







