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Blei und Cadmium in Keramik: Ist das Geschirr sicher?

PureKeramik Manufaktur · · 6 Min. Lesezeit

Blei in Keramik ist bei neuem Geschirr, das für Lebensmittel bestimmt ist, streng begrenzt: Die EU legt fest, wie viel Blei und Cadmium aus der Glasur in Speisen übergehen darf. Ein Risiko sind vor allem alte Stücke, Urlaubskeramik und Deko-Keramik. Hier lesen Sie, welche Regeln gelten, welches Geschirr Sie genauer ansehen sollten, was Bleitests taugen und wie Sie das Risiko im Alltag senken.

Woher Blei und Cadmium in Keramik kommen

Bleiverbindungen wurden Glasuren jahrhundertelang zugesetzt: Sie senken die Schmelztemperatur und ergeben eine glatte, glänzende Oberfläche mit leuchtenden Farben. Cadmiumverbindungen liefern kräftige Rot-, Orange- und Gelbtöne. Ist eine Glasur gut zusammengesetzt und richtig gebrannt, bindet sie diese Stoffe weitgehend. Ist sie zu niedrig gebrannt, falsch rezeptiert, abgenutzt oder rissig, können Blei und Cadmium in Speisen übergehen – besonders in saure und heiße.

Beide Metalle sind gesundheitlich bedenklich. Blei schädigt vor allem das Nervensystem, besonders bei Kindern und Ungeborenen, und reichert sich in den Knochen an. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam 2010 zu dem Schluss, dass sich für Blei keine sichere Aufnahmemenge festlegen lässt. Cadmium belastet vor allem die Nieren und wird vom Körper nur sehr langsam wieder ausgeschieden.

Welche Grenzwerte gelten in der EU und in Deutschland?

Für Keramikgeschirr, das mit Lebensmitteln in Berührung kommt, gilt EU-weit die Richtlinie 84/500/EWG, ergänzt durch die Richtlinie 2005/31/EG. In Deutschland ist sie in der Bedarfsgegenständeverordnung umgesetzt. Geprüft wird, wie viel Metall ein Gefäß abgibt: Es wird 24 Stunden lang bei 22 °C mit 4-prozentiger Essigsäure gefüllt, danach wird die Lösung gemessen.

KategorieBeispieleBleiCadmium
1: flach, bis 25 mm tiefTeller, Untertassen, flache Platten0,8 mg/dm²0,07 mg/dm²
2: alle anderen füllbaren GefäßeTassen, Becher, Schalen, Krüge4,0 mg/l0,3 mg/l
3: Kochgeschirr und Vorratsgefäße über 3 LiterAuflaufformen, Töpfe, große Gärtöpfe1,5 mg/l0,1 mg/l

Seit der Ergänzung von 2005 muss Keramik, die für Lebensmittel bestimmt ist, auf allen Handelsstufen bis einschließlich des Einzelhandels von einer schriftlichen Konformitätserklärung begleitet sein, in der der Hersteller die Einhaltung der Grenzwerte bestätigt.

Gut zu wissen: Diese Grenzwerte stammen im Kern aus dem Jahr 1984 und gelten als veraltet. Eine Überarbeitung mit deutlich niedrigeren Werten ist auf EU-Ebene seit Jahren in Vorbereitung, in Kraft ist sie bislang nicht (Stand: Oktober 2026). Einzelne Länder sind vorangegangen: In den Niederlanden und in Luxemburg gelten seit dem 29. Mai 2026 strengere nationale Grenzwerte, Dänemark plant Ähnliches. Die Richtung ist klar – die Anforderungen an Geschirr werden eher strenger.

Glas-Gabel-Symbol und „lebensmittelecht“: Was die Kennzeichnung sagt

Das Glas-Gabel-Symbol zeigt, dass ein Gegenstand für den Kontakt mit Lebensmitteln bestimmt ist. Teller und Tassen müssen es nicht tragen, weil ihr Zweck offensichtlich ist – für sie gelten die Grenzwerte trotzdem. Anders bei Deko-Keramik: Steht „Nicht für Lebensmittel“, „Nur zur Dekoration“ oder „Decorative only“ auf einem Stück, muss seine Glasur die Grenzwerte für Geschirr nicht einhalten. Aus solchen Schalen, Krügen oder Vasen sollten Sie weder essen noch trinken.

Auch die Angabe „lead free“ oder „bleifrei“ lohnt einen zweiten Blick: Sie sagt nichts über Cadmium, und eine bleifreie Glasur muss ebenfalls richtig gebrannt sein, um stabil zu sein. Was die übrigen Zeichen unter Tellern und Tassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Symbole auf Geschirr.

Welches Geschirr Sie genauer ansehen sollten

GeschirrRisikoEmpfehlung
neues Geschirr aus dem Fachhandel, für Lebensmittel bestimmtgeringwie vorgesehen benutzen
Deko-Keramik mit dem Hinweis „Nicht für Lebensmittel“unbekanntnicht zum Essen und Trinken verwenden
Urlaubskeramik vom Markt, handbemalte Stücke unbekannter Herkunftmöglicherweise erhöhtals Deko nutzen
altes Geschirr, etwa aus Omas Schrank oder vom Flohmarktmöglicherweise erhöhtnichts Saures darin aufbewahren, nur gelegentlich benutzen
Geschirr mit abgenutzter, rissiger oder abplatzender Glasurerhöhtnicht mehr für Lebensmittel verwenden
ältere Stücke mit leuchtend roter, oranger oder gelber Innenseitemöglicherweise erhöhtbesonders bei sauren Speisen vorsichtig sein
Becher mit Dekor am Trinkrand unbekannter Herkunftmöglicherweise erhöhtnicht täglich benutzen

Craquelé, also feine Netzrisse in der Glasur, und abgenutzte Stellen vergrößern die Oberfläche, über die Stoffe austreten können. Wie Sie Risse erkennen, lesen Sie unter Haarrisse in Keramik. Für Effektglasuren wie Raku gilt eine eigene Vorsicht – mehr im Ratgeber Raku-Keramik.

So senken Sie das Risiko im Alltag

  • Saure Lebensmittel wie Saft, Essig, Obst, Tomatensoße, Wein oder Sauerkraut nicht lange in altem oder unbekanntem Geschirr aufbewahren – Säure löst Metalle besonders leicht.
  • In solchem Geschirr nichts erhitzen und es nicht in die Mikrowelle stellen, denn Wärme beschleunigt die Abgabe.
  • Altes Familienporzellan als Festtagsgeschirr nutzen, nicht als Alltagsbecher für den täglichen Kaffee.
  • Was als Deko verkauft wurde, bleibt Deko.
  • Für Kinder nur neues Geschirr wählen, das ausdrücklich für Lebensmittel bestimmt ist.

Für Gefäße, in denen Lebensmittel wochenlang mit Säure in Kontakt sind, gilt das umso mehr: Ein Gärtopf sollte ausdrücklich für Lebensmittel gedacht sein – siehe Sauerkraut im Gärtopf. Und wer jahrelang täglich aus einem verdächtigen Gefäß getrunken hat und sich Sorgen macht, kann den Bleigehalt im Blut ärztlich bestimmen lassen.

Blei in Keramik testen: Labor oder Teststäbchen?

Verlässlich ist nur eine Laboruntersuchung. Lebensmittellabore messen nach der Norm DIN EN 1388-1, wie viel Blei und Cadmium ein Gefäß an eine Essigsäurelösung abgibt – also genau das, was die Grenzwerte regeln. Für ein einzelnes Erbstück lohnt sich der Aufwand selten, für eine Serie oder ein Geschäft schon.

Bleitest-Stäbchen aus dem Handel weisen Blei an der Oberfläche durch eine Farbreaktion nach. Sie sind ein grober Hinweis, mehr nicht:

  • sie messen nicht, wie viel Blei in Speisen übergeht
  • ein negatives Ergebnis schließt eine Abgabe nicht sicher aus
  • ein positives sagt nicht, ob der Grenzwert überschritten ist
  • auf roten und rosafarbenen Glasuren ist die Farbreaktion schwer abzulesen
  • Cadmium erfassen sie nicht

Bei Zweifeln an einem bestimmten Stück ist die einfachste Lösung, es als Deko, Übertopf oder Stiftebecher zu verwenden.

Keramik aus Manufakturen und Werkstätten: Worauf es ankommt

Keramik aus kleinen Manufakturen und Werkstätten ist genauso sicher wie industriell gefertigte, wenn Glasuren verwendet werden, die für Gebrauchsgeschirr bestimmt sind, und wenn sie richtig gebrannt werden. Unser Steinzeug glasieren wir Stück für Stück von Hand, mit bleifreien Glasuren nach eigenen Rezepturen, und jede neue Glasurcharge wird auf Lebensmittelechtheit geprüft. Im zweiten Brand bei 1250 °C verschmilzt die Glasur fest mit dem dicht gesinterten Steinzeug.

Diese Fragen können Sie jedem Anbieter von Geschirr stellen:

  • Ist das Stück für Lebensmittel bestimmt?
  • Gibt es eine Konformitätserklärung für dieses Produkt?
  • Sind die Glasuren auf der Innenseite für Gebrauchsgeschirr gedacht?
  • Darf es in Spülmaschine, Mikrowelle und Backofen?
  • Wer hat es hergestellt?

Ein seriöser Anbieter beantwortet diese Fragen gern. Wenn Sie zu einem unserer Produkte und seiner Glasur etwas wissen möchten, schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder an [email protected]. Wie sich Steinzeug, Steingut und Porzellan unterscheiden, erklärt der Ratgeber Was ist Keramik?.

Häufige Fragen

Ist in Keramik Blei?

In neuem Geschirr für Lebensmittel ist die Menge, die in Speisen übergehen darf, gesetzlich begrenzt. Ein Risiko besteht vor allem bei alter Keramik, Urlaubskeramik und Deko-Stücken.

Wie erkenne ich, ob eine Tasse Blei abgibt?

Sicher nur durch eine Laboruntersuchung nach DIN EN 1388-1. Teststäbchen geben einen groben Hinweis; im Zweifel nutzen Sie die Tasse als Deko.

Ist altes Geschirr von Oma gefährlich?

Nicht zwingend, aber die Glasuren älterer Stücke wurden nicht nach heutigen Maßstäben geprüft. Bewahren Sie darin nichts Saures auf, erhitzen Sie nichts darin und nutzen Sie es eher zu besonderen Anlässen.

Welche Grenzwerte gelten für Blei in Keramik?

Nach der Richtlinie 84/500/EWG zum Beispiel 0,8 mg/dm² für Teller, 4,0 mg/l für Tassen und Schalen und 1,5 mg/l für Kochgeschirr. Strengere EU-Werte sind in Vorbereitung, einige Länder haben sie national bereits eingeführt.

Warum sind saure Speisen problematischer?

Säure löst Metalle aus der Glasur leichter. Deshalb wird bei der Prüfung Essigsäure verwendet, und deshalb sollten Sie Saft, Essig oder Tomatensoße nicht lange in unsicherem Geschirr lagern.

Darf man aus Deko-Keramik essen?

Nein, wenn sie nicht ausdrücklich für Lebensmittel bestimmt ist. Glasuren für Deko-Stücke müssen die Grenzwerte für Geschirr nicht einhalten.

Ist Urlaubskeramik sicher?

Das lässt sich ohne Prüfung nicht sagen. Handbemalte Stücke vom Markt nutzen Sie am besten als Deko, nicht für Essen und Getränke.

Sind die Glasuren von PureKeramik bleifrei?

Ja. Wir verwenden bleifreie Glasuren nach eigenen Rezepturen, und jede neue Glasurcharge wird auf Lebensmittelechtheit geprüft.

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