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Keramik im Alltag

Was ist Keramik? Steinzeug, Steingut, Porzellan und Terrakotta im Vergleich

PureKeramik Manufaktur · · 8 Min. Lesezeit

Keramik ist ein Werkstoff aus Ton und anderen mineralischen Rohstoffen, der durch Brennen bei hohen Temperaturen dauerhaft hart wird. Steinzeug, Steingut, Porzellan und Terrakotta sind alle Keramik – sie unterscheiden sich in Brenntemperatur, Dichte und Gewicht und verhalten sich deshalb in Spülmaschine, Backofen und Garten ganz verschieden. Hier finden Sie alle Arten im Vergleich und erfahren, woran Sie sie erkennen.

Was ist Keramik? Die Definition

Keramik ist ein anorganischer, nichtmetallischer Werkstoff, der aus einer formbaren Masse – meist Ton – hergestellt und durch Brennen dauerhaft verfestigt wird. Das Wort stammt vom griechischen „keramos“ für Ton und Tongefäß; Kerameikos hieß das Töpferviertel im antiken Athen.

Beim Brand passiert etwas, das sich nicht umkehren lässt: Zuerst verdunstet das Wasser, bei etwa 500–600 °C verändert sich die Kristallstruktur der Tonminerale, und aus Ton wird Keramik. Bei höheren Temperaturen schmelzen die Flussmittel in der Masse an und verkleben die Teilchen miteinander – Fachleute nennen das Sintern. Je weiter die Masse sintert, desto dichter, härter und wasserundurchlässiger wird der Scherben, wie der gebrannte Keramikkörper heißt.

Danach unterscheidet man zwei große Gruppen: Tongut mit porösem Scherben, das Wasser aufnimmt (Terrakotta, Steingut, Fayence), und Tonzeug mit dichtem Scherben (Steinzeug, Porzellan). Neben dieser Gebrauchskeramik gibt es technische Keramik aus reinen Oxiden, etwa für Keramikmesser, Zahnkronen oder Zündkerzen.

Woraus besteht Keramik?

Grundstoff fast jeder Gebrauchskeramik ist Ton: feinste Tonminerale wie Kaolinit, die mit Wasser formbar werden. Dazu kommen je nach Keramikart:

  • Quarz als Gerüst, das die Form beim Trocknen und Brennen stabil hält
  • Feldspat als Flussmittel, das beim Brand schmilzt und den Scherben verdichtet
  • Schamotte, also gebrannter und gemahlener Ton, für grobe, temperaturfeste Massen
  • Kaolin, ein besonders reiner, weiß brennender Ton – Hauptbestandteil von Porzellan

Klassisches Hartporzellan besteht etwa zur Hälfte aus Kaolin und zu je einem Viertel aus Quarz und Feldspat. Die Glasur ist eine dünne Glasschicht aus Quarz, Flussmitteln und färbenden Metalloxiden: Kobalt färbt blau, Eisen je nach Brand braun, grün oder schwarz. Gesprenkelter Ton enthält feine, meist eisen- oder manganhaltige Körnchen, die beim Brand als Punkte durch die Glasur treten. Wie aus diesen Rohstoffen eine Tasse wird, zeigt der Ratgeber Wie wird Keramik hergestellt?.

Keramikarten im Vergleich: die Tabelle

KeramikartBrenntemperaturWasseraufnahmeScherbenKlangGewicht
Terrakotta (Irdenware)ca. 900–1050 °Choch, porösrot bis braun, sandig, mattdumpfmittel
Steingutca. 1000–1200 °Choch, porösweiß bis cremefarben, saugenddumpfleicht
Fayence und Majolikaca. 950–1100 °Choch, porösgelblich bis rötlich unter weißer, deckender Glasurdumpfleicht bis mittel
Steinzeugca. 1200–1300 °Cgering, dicht gesintertgrau, beige oder braun, oft gesprenkelthellschwer
Feinsteinzeugca. 1200–1250 °Chöchstens 0,5 %sehr dicht und feinkörnighellschwer
Porzellanca. 1250–1450 °C, je nach Sortenahezu nullweiß, dicht, in dünner Wand durchscheinendhell, klingt lange nachleicht bei dünner Wand
KeramikartTypische ProdukteIm AlltagPreis
TerrakottaBlumentöpfe, Tonbräter, Dachziegelunglasiert nicht spülmaschinengeeignetgünstig
Steingutpreiswertes Geschirr, Wandfliesen, DekoSpülmaschine nur mit Herstellerangabe, Abplatzer saugen Wassergünstig
Fayence und Majolikabemalte Teller und Krüge, Kacheln, Dekoeher Handwäschemittel bis hoch bei Handbemalung
SteinzeugAlltagsgeschirr, Auflaufformen, Krügerobust, meist spülmaschinen- und mikrowellengeeignetmittel
FeinsteinzeugBoden- und Terrassenfliesensehr strapazierfähigmittel
Porzellanfeines Geschirr, Tassen, Servicespülmaschinengeeignet, außer mit Gold- oder Aufglasurdekormittel bis hoch

Die Faustregel: Je höher gebrannt und je dichter der Scherben, desto weniger Wasser nimmt er auf und desto besser verträgt er Spülmaschine, Mikrowelle und Frost. Für den täglichen Gebrauch sind Steinzeug und Porzellan deshalb die robusteste Wahl.

Was ist Steinzeug?

Steinzeug ist Keramik, die bei etwa 1200–1300 °C so weit gesintert wird, dass ihr Scherben dicht und hart wie Stein ist und kaum noch Wasser aufnimmt. Daher hat das Material seinen Namen. Steinzeuggeschirr ist kräftig, schwerer als Porzellan, speichert Wärme gut und steckt Stöße im Alltag besser weg als poröse Keramik. Typisch sind erdige, gesprenkelte oder fließende Glasuren.

In Deutschland hat Steinzeug eine lange Tradition: Die grauen Krüge mit blauer Bemalung und Salzglasur aus dem Westerwald kennt fast jeder – mehr dazu im Ratgeber Westerwälder Steinzeug.

Auch unsere Tassen, Teller und Auflaufformen entstehen in unserer Manufaktur aus gesprenkeltem Steinzeug. Im zweiten Brand, der zwölf Stunden dauert und bei 1250 °C endet, sintert der Scherben zu dichtem Steinzeug mit einer Wasseraufnahme unter 1 %, und die von Hand aufgetragene Glasur verschmilzt fest mit ihm.

Unterschied zwischen Steingut und Steinzeug

Die Namen klingen fast gleich, die Materialien sind es nicht. Eine Eselsbrücke: Steinzeug ist dicht wie Stein, Steingut saugt.

MerkmalSteingutSteinzeug
Brenntemperaturca. 1000–1200 °Cca. 1200–1300 °C
Scherbenporös, helldicht gesintert, oft grau, beige oder gesprenkelt
Wasseraufnahmehoch, erst die Glasur macht dichtgering, auch unglasiert fast dicht
Klang beim Anklopfendumpfhell
Wandstärke und Gewichteher dünn und leichtkräftig und schwer
nach einem AbplatzerScherben saugt Flüssigkeit und verfärbt sichbleibt dicht
Spülmaschine und Mikrowellenur, wenn ausdrücklich angegebenin der Regel ja
typische Produktepreiswerte Teller, Wandfliesen, DekoAlltagsgeschirr, Auflaufformen, Krüge

Was ist besser: Steingut oder Keramik?

Die Frage geht von einer falschen Annahme aus: Steingut ist Keramik. Gemeint ist meist der Vergleich mit Steinzeug oder Porzellan, und dann kommt es auf den Zweck an:

  • Alltagsgeschirr für Spülmaschine und Mikrowelle: Steinzeug oder Porzellan, weil beide dicht gebrannt sind
  • Kaffeetafel und feine Tassen: Porzellan, dünnwandig und leicht
  • Backofen: Auflaufformen aus Steinzeug, die ausdrücklich als backofenfest gekennzeichnet sind
  • Bemaltes Deko-Geschirr und Stücke für besondere Anlässe: Steingut und Fayence, leicht und gut zu bemalen
  • Zimmerpflanzen: unglasierte Terrakotta, wenn die Erde schnell abtrocknen soll, glasierte Keramik, wenn sie länger feucht bleiben soll

Steingut ist nicht schlechter, nur empfindlicher: Ist die Glasur beschädigt, zieht Flüssigkeit in den porösen Scherben. Für den täglichen Gebrauch hält dicht gebranntes Steinzeug länger.

Porzellan: die feinste Keramik

Porzellan ist Keramik aus Kaolin, Quarz und Feldspat, die so hoch gebrannt wird, dass der Scherben glasartig dicht, weiß und in dünner Wand durchscheinend ist. In Europa gelang die Herstellung von Hartporzellan 1708 in Sachsen; zwei Jahre später wurde die Manufaktur in Meißen gegründet – die Geschichte erzählt der Ratgeber Meissener Porzellan.

Hartporzellan wird im Glattbrand bei rund 1400 °C gebrannt, andere Porzellane bei niedrigeren Temperaturen. Unser Porzellan wird bei 1280 °C glattgebrannt, ist dünnwandig und lichtdurchlässig. Woran Sie Porzellan von anderer Keramik unterscheiden, lesen Sie im Ratgeber Unterschied zwischen Keramik und Porzellan.

Terrakotta, Fayence und Majolika

Terrakotta heißt übersetzt „gebrannte Erde“: rot brennender Ton, niedrig gebrannt und meist unglasiert. Der poröse Scherben lässt Wasser durch die Wand verdunsten – gut für Pflanzen, die es trocken mögen. Im Winter wird diese Eigenschaft zum Nachteil, denn gefrierendes Wasser sprengt den Scherben.

Fayence und Majolika sind Irdenware mit einer weißen, deckenden Zinnglasur, auf die farbig gemalt wird. Majolika verdankt ihren Namen der Insel Mallorca, über die spanisch-maurische Keramik nach Italien gehandelt wurde; Fayence ist nach der italienischen Stadt Faenza benannt, Delfter Ware ist eine niederländische Verwandte. Diese Stücke sind vor allem dekorativ und wegen des porösen Scherbens eher etwas für die Handwäsche. Mehr im Ratgeber Majolika und Fayence.

Ist Feinsteinzeug Keramik?

Ja. Feinsteinzeug ist eine besonders dichte, feinkörnige Keramik, die vor allem für Fliesen verwendet wird: Die Masse wird unter hohem Druck verpresst und bei rund 1200–1250 °C gebrannt. Nach der Fliesennorm nimmt Feinsteinzeug höchstens 0,5 % Wasser auf und ist damit frostbeständig und sehr strapazierfähig.

Wer für die Terrasse zwischen „Keramik“ und „Feinsteinzeug“ wählt, vergleicht meist dasselbe: Keramik-Terrassenplatten sind in der Regel zwei Zentimeter starkes Feinsteinzeug. Für Geschirr spielt Feinsteinzeug keine Rolle – dort heißt das dichte Material schlicht Steinzeug.

Eigenschaften von Keramik

  • hart: Glasierte Oberflächen sind härter als Besteckstahl – graue Striche sind deshalb Metallabrieb, keine Kratzer
  • hitzebeständig: geeignet für Auflaufformen, Öfen und Kacheln
  • chemisch beständig und geschmacksneutral: Eine Glasur für Geschirr gibt keinen Eigengeschmack ab
  • wärmespeichernd: Dickwandiges Steinzeug hält Speisen lange warm, wenn es vorgewärmt wird
  • elektrisch isolierend: deshalb sind Isolatoren an Stromleitungen oft aus Porzellan
  • spröde: Keramik bricht bei Stößen und reagiert empfindlich auf schnelle Temperaturwechsel
  • unterschiedlich porös: von nahezu dicht bei Porzellan bis stark saugend bei Terrakotta

Warum Keramik bei Temperaturwechseln springt, erklärt der Ratgeber Haarrisse in Keramik; wie Sie graue Besteckstriche entfernen, steht unter Besteckspuren entfernen.

Keramikart erkennen: fünf einfache Tests

  • Standring ansehen: Viele Stücke sind unten unglasiert. Rot und sandig spricht für Terrakotta, weiß und kreidig für Steingut, grau, beige oder gesprenkelt und fest für Steinzeug, weiß und glatt für Porzellan.
  • Lichtprobe: Halten Sie das Stück vor eine Lampe. Nur Porzellan lässt in dünner Wand Licht durch.
  • Klangprobe: Tippen Sie mit dem Fingernagel an den Rand. Steinzeug und Porzellan klingen hell, Steingut und Terrakotta dumpf.
  • Wassertropfen: Ein Tropfen auf der unglasierten Stelle zieht bei porösem Scherben schnell ein und bleibt auf dichtem Scherben stehen.
  • Gewicht: Steinzeug ist bei gleicher Größe deutlich schwerer als Porzellan.

Die Glasuren unseres Steinzeugs – von Sandmatt bis Kobaltblau – finden Sie in der Übersicht unserer Kollektionen.

Häufige Fragen

Was ist Keramik?

Ein anorganischer, nichtmetallischer Werkstoff, der aus einer formbaren Masse wie Ton hergestellt und durch Brennen dauerhaft hart wird. Steinzeug, Steingut, Terrakotta und Porzellan sind Keramikarten.

Woraus besteht Keramik?

Gebrauchskeramik besteht vor allem aus Ton, dazu je nach Art Quarz, Feldspat, Kaolin oder Schamotte. Porzellan enthält besonders viel Kaolin.

Ist Steinzeug Keramik?

Ja. Steinzeug ist eine dicht gesinterte Keramik, die bei etwa 1200–1300 °C gebrannt wird und kaum Wasser aufnimmt.

Was ist der Unterschied zwischen Steingut und Steinzeug?

Steingut wird niedriger gebrannt und bleibt porös, Steinzeug wird höher gebrannt und ist dicht. Steinzeug ist dadurch schwerer, robuster und verträgt Spülmaschine und Mikrowelle besser.

Was ist besser, Steingut oder Keramik?

Steingut ist selbst Keramik. Für den Alltag mit Spülmaschine sind dicht gebranntes Steinzeug und Porzellan robuster, Steingut eignet sich gut für Deko und leichtes Geschirr.

Ist Porzellan Keramik?

Ja, Porzellan ist die am dichtesten gebrannte Keramik aus Kaolin, Quarz und Feldspat – weiß und in dünner Wand durchscheinend.

Ist Feinsteinzeug Keramik?

Ja. Feinsteinzeug ist eine sehr dichte Keramik für Fliesen und Terrassenplatten, die höchstens 0,5 % Wasser aufnimmt.

Ist Steingut gesundheitsschädlich?

Nein, Steingut an sich nicht. Bei altem Geschirr kommt es auf die Glasur an, und bei beschädigter Glasur zieht Flüssigkeit in den porösen Scherben.

Welche Keramik ist frostfest?

Am ehesten sehr dicht gebrannte Keramik wie Feinsteinzeug; poröse Terrakotta springt bei Frost leicht. Bei Pflanzgefäßen zählt die Herstellerangabe, denn auch gefrierende, nasse Erde kann einen Topf sprengen.

Welche Keramik ist am robustesten für den Alltag?

Steinzeug und Porzellan, weil beide dicht gebrannt sind. Steinzeug ist dickwandiger und verzeiht Stöße eher, Porzellan ist leichter und feiner.

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