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Keramik: Stile & Geschichte

Majolika-Keramik und Fayence: Geschichte, Unterschiede und Erkennungsmerkmale

PureKeramik Manufaktur · · 8 Min. Lesezeit

Majolika-Keramik ist Irdenware mit einer deckend weißen Zinnglasur, die farbig bemalt wird – im engeren Sinn die italienische Keramik der Renaissance. Fayence und Delfter Ware beruhen auf demselben Prinzip, entstanden aber später und anderswo. Hier lesen Sie, wie sich Majolika, Fayence, Delfter Blau und Porzellan unterscheiden, woran Sie alte Stücke erkennen und wie Sie sie pflegen.

Was ist Majolika-Keramik?

Majolika ist farbig bemalte, zinnglasierte Irdenware. Kunsthistoriker meinen damit vor allem die italienische Keramik des 15. und 16. Jahrhunderts; im weiteren Sinn heißt so auch andere bunt glasierte Irdenware, besonders aus der Zeit um 1900.

Das Prinzip: Ein poröser, gelblich, grau oder hellrot brennender Scherben wird mit einer Glasur überzogen, die durch Zinnoxid deckend weiß wird. Auf diese noch ungebrannte, stark saugende Glasur malen die Malerinnen und Maler mit Metalloxiden; beim Brand verschmelzen Farben und Glasur zu einer glänzenden Fläche. Klassisch sind vier Scharffeuerfarben: Kobaltblau, Kupfergrün, Antimongelb und Manganviolett bis -braun.

Der Name geht vermutlich auf Mallorca zurück, eine Station des Seehandels, über die spanische Lüsterkeramik nach Italien kam; eine andere Erklärung leitet ihn vom spanischen „obra de Málaga“ ab, Ware aus Málaga.

Was ist Fayence?

Fayence ist zinnglasierte, bemalte Irdenware aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern ab dem 17. Jahrhundert. Das Wort kommt vom französischen faïence und leitet sich von Faenza ab, einem der großen italienischen Majolika-Zentren. Technisch unterscheidet sich frühe Fayence kaum von italienischer Majolika; der Begriff steht vor allem für Ort und Zeit.

In Deutschland entstand die erste Fayence-Manufaktur 1653 in Ahaus, sie bestand nur wenige Jahre. Dauerhaft erfolgreich waren Hanau (1661) und Frankfurt am Main (1666), es folgten unter anderem Berlin, Kassel, Braunschweig, Ansbach, Nürnberg, Fulda, Bayreuth, Höchst und Kellinghusen – insgesamt gab es rund 80 Fayence-Standorte, meist kleine Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten. Ab dem 18. Jahrhundert kamen Muffelfarben hinzu, die in einem dritten, schwächeren Brand auf die fertige Glasur gebrannt werden und feinere Farbtöne erlauben. Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Fayence gegen das feinere Porzellan und das billigere Steingut; die meisten Manufakturen schlossen.

Majolika, Fayence und Delfter Ware im Vergleich

BegriffHerkunft und ZeitGlasur und DekorTypisch
Lüsterkeramikmaurisches Spanien, ab dem 13. JahrhundertZinnglasur mit metallisch schimmerndem Lüstergoldglänzende Schalen und Teller
MajolikaItalien, 15. und 16. Jahrhundert: Faenza, Deruta, Siena, Urbino, GubbioZinnglasur, Malerei in die rohe GlasurGrotesken, Wappen, Bildszenen (istoriato)
FayenceFrankreich, Deutschland und andere Länder ab dem 17. JahrhundertZinnglasur, ab dem 18. Jahrhundert auch MuffelfarbenTeller, Krüge, Vasen, Fliesen, Blumen- und Chinoiserie-Dekore
Delfter WareNiederlande, ab etwa 1600, Blüte 1640–1740Zinnglasur mit KobaltblauBlau-Weiß nach chinesischem Vorbild, Fliesen
Viktorianische MajolikaGroßbritannien ab 1851, zuerst bei Mintonfarbige, durchscheinende Bleiglasuren auf Reliefplastische Krüge, Schalen, Gartenkeramik
Majolika um 1900unter anderem Großherzogliche Majolika-Manufaktur Karlsruhe ab 1901bunt glasierte IrdenwareKunstkeramik, Bauschmuck, Fliesen

Kurz gesagt: Majolika, Fayence und Delfter Ware sind Geschwister – zinnglasierte Irdenware, benannt nach Land und Epoche. Die viktorianische „Majolika“ dagegen ist technisch etwas anderes: Sie trägt farbige Bleiglasuren direkt auf dem Scherben, ohne weiße Zinnglasur.

So entsteht Majolika: Zinnglasur und Malerei

  • Der Ton wird geformt und getrocknet, dann im Schrühbrand bei etwa 800–900 °C gebrannt. Der Scherben bleibt porös.
  • Das Stück wird in die Zinnglasur getaucht oder damit übergossen. Historisch ist das eine Bleiglasur, die durch Zinnoxid weiß und deckend wird.
  • Auf die getrocknete, aber ungebrannte Glasur wird gemalt. Sie saugt die Farbe sofort auf – Korrekturen sind kaum möglich, jeder Pinselstrich muss sitzen.
  • Im Glasurbrand bei rund 900–1100 °C schmilzt die Glasur, die Farben verbinden sich mit ihr.
  • Für Lüster oder Muffelfarben folgt ein weiterer, schwächerer Brand, bei Muffelfarben etwa um 600–650 °C.

Eine Vorstufe war die Mezzo-Majolika um 1400, bei der statt der teuren Zinnglasur eine helle Engobe als weißer Malgrund diente. Wie Engoben heute eingesetzt werden, zeigt der Ratgeber Engobe und Sgraffito.

Kurze Geschichte: von Persien über Faenza bis Delft

ZeitEntwicklung
9. JahrhundertZinnglasierte Keramik verbreitet sich aus Mesopotamien und Persien nach Nordafrika und Spanien.
13. JahrhundertIm maurischen Spanien entsteht Lüsterkeramik, die bis nach Italien gehandelt wird.
15. JahrhundertFaenza wird ein führendes Zentrum der italienischen Majolika.
um 1520–1535In Castel Durante und Urbino blüht die erzählende Malerei (istoriato).
1585 bis um 1600Nach dem Fall Antwerpens wandern Fayence-Töpfer in die nördlichen Niederlande ab; um 1600 entsteht dort die Delfter Ware.
nach 1620Delfter Töpfer ahmen chinesisches Blau-Weiß-Porzellan nach, das nicht mehr ausreichend nach Europa kommt.
1653 und 1661Erste Fayence-Manufakturen in Deutschland: Ahaus, dann Hanau.
Ende 18. JahrhundertPorzellan und Steingut verdrängen die Fayence.
1851Minton zeigt auf der Weltausstellung in London farbig glasierte Reliefware, die als Majolika bekannt wird.
1901Die Großherzogliche Majolika-Manufaktur in Karlsruhe nimmt ihre Arbeit auf; 2024 stellte die Staatliche Majolika Manufaktur den Betrieb ein.

In Karlsruhe erinnert bis heute der „Blaue Strahl“ an die Manufaktur: 1645 blaue Majolika-Fliesen führen seit 2001 vom Schlossturm durch den Schlossgarten. Italienische Majolika wird weiterhin hergestellt, etwa in Deruta, in Vietri sul Mare an der Amalfiküste oder in Caltagirone auf Sizilien, wo eine Freitreppe mit 142 Stufen mit bemalter Keramik verkleidet ist.

Majolika und Fayence erkennen

Ob ein Stück Majolika oder Fayence, Porzellan oder Steingut ist, verraten oft schon eine abgestoßene Stelle, das Licht und der Klang:

MerkmalMajolika und FayencePorzellanSteingut
Scherben an Fuß oder Abplatzergelblich, grau oder rötlich, porösweiß und dichtweiß bis cremefarben, porös
Gegen das Lichtnicht durchscheinendan dünnen Stellen durchscheinendnicht durchscheinend
Klang beim Anschnippendumpfhell und klareher dumpf
Glasurdick, milchig weiß, oft mit feinen Rissen und Abplatzern an Kantendünn, hart, glasigtransparent über weißem Scherben
DekorFarben leicht in die Glasur eingesunken, weiche Konturenscharfe Linien unter oder auf der Glasuroft gedruckte Dekore
Markeselten; manchmal Monogramme oder Ortszeichenmeist Manufakturmarkehäufig Firmenstempel

Weitere Hinweise: Fayence trägt nur selten eine systematische Marke. Wappen und Inschriften verweisen oft auf Aufträge von Hof oder Stadt, und regionale Eigenheiten helfen bei der Zuordnung – etwa das bläuliche „Kleisterblau“ der Hanauer Glasur oder die Blumenmalerei aus Straßburg. Bei Marken hilft der Ratgeber Porzellanmarken erkennen; wie Porzellan sich grundsätzlich von anderer Keramik unterscheidet, steht unter Unterschied zwischen Keramik und Porzellan.

Delfter Blau: alt, neu oder Souvenir?

Delfter Ware ist die niederländische Form der Fayence. Ihre beste Zeit lag zwischen etwa 1640 und 1740; Delfter Töpfer stellten außerdem Fliesen in riesigen Mengen her, die bis heute in vielen Häusern erhalten sind. Von 32 Delfter Manufakturen des 17. Jahrhunderts besteht nur noch De Koninklijke Porceleyne Fles (Royal Delft), gegründet 1653.

Wichtig beim Kauf: Das meiste heutige Delfter Blau ist Unterglasurmalerei auf weißem Ton und keine zinnglasierte Fayence mehr. Handbemalte Stücke tragen heute am Boden die Aufschrift „Delfts Blauw“, bei Royal Delft zusätzlich die Marke der Manufaktur. Eine feste Preisliste für Delfter Keramik gibt es nicht – der Wert hängt von Alter, Manufaktur, Malqualität, Zustand und Seltenheit ab. Antike Stücke lassen Sie am besten von einem Auktionshaus oder Museum einschätzen.

Alte Majolika und Fayence pflegen

  • Nur von Hand und lauwarm mit wenig mildem Spülmittel reinigen, nicht einweichen – über Abplatzer zieht Wasser in den porösen Scherben.
  • Nicht in Spülmaschine und Mikrowelle stellen und keine Temperaturschocks zumuten.
  • Alte Stücke nicht für Speisen nutzen: Historische Zinnglasuren sind Bleiglasuren, aus denen besonders saure Lebensmittel Blei lösen können.
  • Teller mit gepolsterten Tellerhaltern aufhängen und Haken regelmäßig prüfen.
  • Größere Schäden einer Restauratorin oder einem Restaurator überlassen.

Neue Majolika für den Tisch sollte ausdrücklich für Lebensmittel geeignet sein; fragen Sie beim Kauf danach. Hintergründe zu Grenzwerten finden Sie im Ratgeber Blei und Cadmium in Keramik. Große Sammlungen von Majolika und Fayence zeigt etwa das Hetjens in Düsseldorf – mehr unter Keramik- und Porzellanmuseen.

Der Blau-Weiß-Look für den Alltag

Wer den Stil von Delft und Majolika mag, aber robustes Alltagsgeschirr braucht, kombiniert Weiß mit Kobaltblau: etwa Teller in Milchweiß mit dem Flachen Teller Fjord 28 cm in Kobaltblau. Unsere Stücke sind keine Majolika, sondern dichtes Steinzeug mit einer Wasseraufnahme unter 1 % – spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet. Für die Wand eignen sich der Wandteller 28 cm in Kobaltblau und das 4er-Set Dekofliesen; wie Sie Teller an der Wand anordnen, zeigt der Ratgeber Wandteller aufhängen.

Häufige Fragen

Was ist Majolika-Keramik?

Irdenware mit einer deckend weißen Zinnglasur, die farbig bemalt wird. Im engeren Sinn die italienische Keramik des 15. und 16. Jahrhunderts, im weiteren Sinn bunt glasierte Irdenware.

Was ist der Unterschied zwischen Majolika und Fayence?

Technisch kaum einer: Beides ist zinnglasierte, bemalte Irdenware. Majolika bezeichnet die italienische und spanische Ware vor allem des 15. bis 17. Jahrhunderts, Fayence die spätere Ware aus Frankreich, Deutschland und anderen Ländern.

Woher kommt das Wort Majolika?

Vermutlich von Mallorca, über das spanische Lüsterkeramik nach Italien gehandelt wurde. Eine andere Erklärung führt es auf „obra de Málaga“ zurück. Fayence leitet sich von der italienischen Stadt Faenza ab.

Ist Delfter Blau Fayence oder Porzellan?

Historisches Delfter Blau ist Fayence, also zinnglasierte Irdenware. Das meiste heutige Delfter Blau ist Unterglasurmalerei auf weißem Ton – Porzellan ist es in beiden Fällen nicht.

Wie erkenne ich alte Fayence?

An einem farbigen, porösen Scherben an Fuß oder Abplatzern, einer dicken, milchig weißen Glasur, einem dumpfen Klang und Farben, die leicht in die Glasur eingesunken sind. Marken fehlen oft.

Ist Majolika spülmaschinenfest?

Alte Majolika und Fayence nicht. Bei neuer Ware gilt die Herstellerangabe; im Zweifel spülen Sie von Hand.

Kann man aus alter Majolika essen?

Besser nicht. Historische Zinnglasuren enthalten Blei, das besonders saure Speisen lösen können. Alte Stücke sind Dekoration.

Was ist Karlsruher Majolika?

Keramik der 1901 eröffneten Großherzoglichen, später Staatlichen Majolika Manufaktur in Karlsruhe, die 2024 den Betrieb einstellte. Bekannt ist der „Blaue Strahl“ aus 1645 Fliesen im Schlossgarten.

Gibt es eine Preisliste für blaue Delfter Keramik?

Nein. Der Wert hängt von Alter, Manufaktur, Malqualität, Zustand und Seltenheit ab; antike Stücke sollten Fachleute schätzen.

Produkte aus diesem Ratgeber

Wandteller 28 cm

28 cm, Kobaltblau

49,90 €

Dekofliesen, 4er-Set

10 cm, Salbeigrün

39,90 €

Flacher Teller Fjord 28 cm

28 cm, Kobaltblau

37,90 €

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