Keramik gießen: Gipsform, Gießmasse und Gießpulver Schritt für Schritt
Keramik gießen heißt im Töpferhandwerk: flüssige Gießmasse in eine Gipsform füllen, die dem Ton Wasser entzieht, bis sich an der Wand eine feste Schicht bildet – danach wird das Stück gebrannt wie jede Keramik. Daneben gibt es Keramik-Gießpulver für Silikonformen, das ohne Brand aushärtet. Diese Anleitung erklärt beide Wege mit Zeiten, Mengen und Fehlertabelle.
Zwei Wege, Keramik zu gießen
Wer „Keramik gießen“ sucht, meint eines von zwei sehr unterschiedlichen Verfahren: den klassischen Schlickerguss mit Ton in einer Gipsform oder das Gießen von mineralischem Gießpulver in Silikonformen. Nur der erste Weg ergibt echte, gebrannte Keramik.
| Merkmal | Schlickerguss | Gießpulver |
|---|---|---|
| Material | Gießmasse: flüssiger Ton mit Verflüssiger | mineralisches Gießpulver, mit Wasser angerührt |
| Form | Gipsform, die Wasser aufsaugt | Silikonform |
| Härtet durch | Trocknen und Brennen bei 900–1300 °C | Abbinden mit dem Anmachwasser, ähnlich wie Gips |
| Ergebnis | echte Keramik, glasiert auch für Geschirr | Deko, bleibt saugfähig, nicht für Lebensmittel |
| Brennofen nötig | ja, eigener Ofen oder Brennservice | nein |
So funktioniert Keramik gießen mit der Gipsform
Gießmasse ist flüssiger Ton, dem ein Verflüssiger zugesetzt ist. Er macht die Masse fließfähig, obwohl sie wenig Wasser enthält. Gießen Sie sie in eine trockene Gipsform, saugt der Gips Wasser aus der Masse. An der Formwand lagert sich dabei eine Schicht aus festerem Ton ab, die mit jeder Minute dicker wird. Ist die gewünschte Wandstärke erreicht, gießen Sie die übrige Masse aus. Zurück bleibt eine Schale, die beim Ansteifen leicht schwindet, sich von der Formwand löst und genau deren Form hat.
So lassen sich Becher, Schalen, Vasen und Figuren in gleicher Form wiederholen. In der Industrie entstehen auf diese Weise unter anderem Kannen, Figuren und Sanitärkeramik. Wie sich Gießen vom Drehen und Aufbauen unterscheidet, zeigt der Ratgeber Wie wird Keramik hergestellt?.
Welcher Gips eignet sich für Gießformen?
| Gipsart | Geeignet für | Hinweis |
|---|---|---|
| Formgips oder Keramikgips aus dem Töpferbedarf | Gießformen | saugt gleichmäßig, die beste Wahl |
| Modellgips (Alabastergips) | Modelle und kleine Formen | fein, etwas härter |
| Stuckgips | Übungsformen | brauchbar, aber weniger fein als Modellgips |
| Baugipse mit Zusätzen (Haftputz-, Spachtel-, Fugengips) | ungeeignet | Zusätze verändern Abbinden und Saugverhalten |
Das Mischverhältnis steht auf der Packung. Bei Formgips sind 70–80 Teile Wasser auf 100 Teile Gips (nach Gewicht) üblich. Streuen Sie den Gips immer ins Wasser, nicht umgekehrt, und lassen Sie ihn 1–2 Minuten einsumpfen, bevor Sie rühren. Je mehr Wasser, desto saugfähiger, aber auch weicher wird die Form.
Gipsform für einen Becher bauen: Schritt für Schritt
- Modell vorbereiten: einen Becher ohne Henkel aus Ton, Holz, Gips oder aus dem 3D-Drucker. Er darf keine Hinterschneidungen haben und muss nach unten schmaler werden, damit er sich aus der Form ziehen lässt.
- Den Rand des Modells um 1–2 cm verlängern. Diesen Gießrand schneiden Sie später vom Guss ab.
- Das Modell mit der Öffnung nach unten auf eine glatte Platte setzen und mit etwas Ton fixieren.
- Ringsum eine Schalung aus Brettern, Linoleum oder Kunststoffstreifen stellen, etwa 3 cm Abstand zum Modell, Fugen mit Ton abdichten.
- Modell und Platte mit verdünnter Schmierseife oder Formtrennmittel mehrmals einstreichen.
- Gips einstreuen, einsumpfen lassen und ohne Luft unterzurühren mischen, bis er die Konsistenz dicker Sahne hat.
- Zügig in einem Zug eingießen, mindestens 2–3 cm über das Modell hinaus, und an die Platte klopfen, damit Luftblasen aufsteigen.
- 20–40 Minuten abbinden lassen – der Gips wird dabei spürbar warm. Dann Schalung lösen, Modell herausnehmen und die Formkanten leicht brechen.
- Die Form bei Raumtemperatur oder höchstens etwa 40–50 °C trocknen, je nach Größe einige Tage bis zwei Wochen. Trocken ist sie, wenn ihr Gewicht nicht mehr abnimmt.
Formen mit Hinterschneidungen, etwa für bauchige Vasen oder Figuren, bauen Sie zwei- oder mehrteilig. Die Teile greifen mit Formschlössern ineinander – Mulden, die Sie vor dem Gießen des zweiten Teils in den ersten drehen. Den Henkel gießen Sie in einer kleinen zweiteiligen Form oder formen ihn von Hand und setzen ihn lederhart mit etwas Gießmasse an.
Gießmasse vorbereiten
Gießmasse gibt es flüssig im Eimer oder als Pulver zum Anrühren, für Steingut, Steinzeug und Porzellan. Welche Masse zu welchem Ofen passt, erklärt der Ratgeber Ton zum Töpfern.
- vor dem Gießen gründlich aufrühren, am besten mit einem Rührstab auf der Bohrmaschine bei niedriger Drehzahl
- durch ein Sieb gießen, um Klümpchen und Verunreinigungen zu entfernen
- 10–15 Minuten stehen lassen, damit Luftblasen entweichen
- Konsistenz prüfen: Die Masse soll wie flüssige Sahne gleichmäßig vom Löffel fließen; ein gewogener Liter sollte dem Litergewicht auf dem Datenblatt entsprechen
- zu dicke Masse mit wenigen Tropfen Verflüssiger einstellen, nicht mit Wasser: Zu viel Wasser verlängert die Standzeit, schwächt den Guss und durchnässt die Form
- ausgegossene Reste sauber auffangen, sieben und wiederverwenden
Keramik gießen Schritt für Schritt: Zeiten und Wandstärke
| Schritt | Zeit | Darauf achten |
|---|---|---|
| Form bis zum Rand füllen | in einem Zug | gleichmäßiger Strahl ohne Unterbrechung, sonst entstehen Ringe |
| Nachfüllen | in den ersten Minuten | der Pegel sinkt, weil der Gips Wasser zieht |
| Ansetzen lassen | ca. 10–30 Minuten | Wandstärke am Rand prüfen, meist 3–5 mm |
| Ausgießen | langsam | Form schräg kopfüber abtropfen lassen |
| Ansteifen in der Form | ca. 30–90 Minuten | fertig, wenn sich der Guss von der Formwand löst |
| Entformen und versäubern | lederhart | Gießrand abschneiden, Formnaht mit dem Schwamm glätten, Henkel ansetzen |
Die Zeiten hängen von Masse, Form und Raumklima ab. Notieren Sie sich für jede Form, wie lange die Masse für Ihre Wunschwandstärke stehen muss. Danach trocknet der Guss langsam und wird gebrannt wie jede Keramik: Schrühbrand, Glasur, Glasurbrand. Wie das geht, steht unter Keramik glasieren und Brennofen für Keramik.
Häufige Fehler beim Gießen
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Guss klebt an der Form | Form zu nass oder fettig | Form gründlich trocknen, beim Gießen keine fettigen Trennmittel |
| Risse beim Entformen | Guss zu trocken oder trocknet in der Form zu schnell | früher entformen, Guss locker mit Folie abdecken |
| ungleichmäßige Wandstärke | Form ungleichmäßig trocken | Form von allen Seiten gleichmäßig trocknen |
| Bläschen an der Oberfläche | Luft in der Masse | Masse vor dem Gießen ruhen lassen, langsam in einem Strahl gießen |
| Ringe an der Innenwand | Gießstrahl unterbrochen | in einem Zug füllen und rechtzeitig nachfüllen |
| sichtbare Formnaht | normal bei mehrteiligen Formen | lederhart mit Messer und Schwamm glätten |
Gipsform pflegen: So hält sie lange
- nur mit klarem Wasser und Schwamm reinigen, kein Spülmittel, nicht schrubben
- zwischen zwei Güssen trocknen lassen; wer viel gießt, arbeitet mit zwei oder drei gleichen Formen im Wechsel
- frostfrei lagern, denn nasser Gips platzt bei Kälte
- nicht im heißen Backofen trocknen: Bei zu viel Hitze verliert Gips Kristallwasser und wird mürbe – höchstens etwa 40–50 °C
- mehrteilige Formen zusammengesetzt und mit einem Gummiband gesichert aufbewahren
- Gipsbrösel vom Ton fernhalten – sie können nach dem Brand zu Abplatzungen führen
Eine gut gepflegte Form übersteht je nach Gips und Nutzung einige Dutzend bis mehrere hundert Abgüsse. Mit der Zeit werden Details weicher und die Form saugt schlechter. Gipsreste gehören nie in den Abfluss, weil sie im Rohr aushärten: Lassen Sie sie im Eimer fest werden und geben Sie sie in den Restmüll. Beim Anrühren von Gips und Gießpulver schützt eine Staubmaske.
Keramik gießen mit Gießpulver und Silikonform
Keramik-Gießpulver ist kein Ton, sondern ein mineralisches Pulver, das mit Wasser angerührt in der Form abbindet, ähnlich wie Gips. Es braucht keinen Ofen und eignet sich für Untersetzer, Teelichthalter, Schmuckschalen, Anhänger und kleine Deko-Objekte.
- Pulver und Wasser genau nach Herstellerangabe abwiegen und klümpchenfrei verrühren
- zügig in die saubere Silikonform füllen und leicht klopfen, damit Luftblasen aufsteigen
- aushärten lassen und erst nach der angegebenen Zeit entformen, danach vollständig durchtrocknen lassen
- Kanten mit feinem Schleifpapier glätten
- mit Acrylfarbe bemalen und mit Klarlack versiegeln
Das Ergebnis sieht aus wie Keramik, ist aber nicht gebrannt: Es bleibt saugfähig, ist nicht spülmaschinenfest und nicht für Lebensmittel gedacht. Für Vasen mit Frischblumen brauchen Sie einen Glaseinsatz, für Teelichter eine Metallhülle. Umgekehrt eignen sich Silikonformen nicht für Gießmasse aus Ton, denn Silikon nimmt kein Wasser auf – dafür brauchen Sie Gips. Welche Farben auf ungebrannten Oberflächen halten, steht im Ratgeber Keramikfarben.
Gießformen kaufen oder selbst bauen?
Fertige Gipsformen für Becher, Schalen und Figuren bekommen Sie im Töpferbedarf, Silikonformen für Gießpulver im Bastelhandel. Für den Einstieg sind gekaufte Formen ideal, weil das Modellbauen entfällt. Selbst bauen lohnt sich, wenn Sie einen eigenen Entwurf mehrfach wiederholen möchten. Werkzeug für Modell und Versäubern finden Sie unter Töpferwerkzeug, Projekte zum Nachmachen unter Töpfern Ideen.
Häufige Fragen
Was braucht man, um Keramik zu gießen?
Eine trockene Gipsform, Gießmasse, ein Sieb, einen Eimer und einen Brennofen oder einen Brennservice. Für Deko ohne Ofen genügen Gießpulver und eine Silikonform.
Welcher Gips eignet sich für Gießformen?
Formgips oder Keramikgips aus dem Töpferbedarf. Baugipse mit Zusätzen wie Haftputz- oder Spachtelgips sind ungeeignet.
Wie lange muss eine Gipsform trocknen?
Einige Tage bis zwei Wochen bei Raumtemperatur oder bis etwa 40–50 °C. Sie ist trocken, wenn ihr Gewicht nicht mehr abnimmt.
Wie lange bleibt die Gießmasse in der Form?
Meist 10–30 Minuten, bis die Wand 3–5 mm dick ist. Die genaue Zeit hängt von Masse, Form und Raumklima ab.
Kann man Gießmasse in eine Silikonform gießen?
Nein. Silikon saugt kein Wasser, die Masse würde nicht fest. Für Gießmasse aus Ton brauchen Sie eine Gipsform.
Muss Keramik aus Gießpulver gebrannt werden?
Nein. Gießpulver bindet mit dem Anmachwasser ab und härtet ohne Brand. Das Ergebnis ist keine gebrannte Keramik, bleibt saugfähig und eignet sich nur für Deko, nicht für Lebensmittel.
Wie viele Abgüsse hält eine Gipsform?
Einige Dutzend bis mehrere hundert, wenn Sie sie nur mit Wasser reinigen und zwischen den Güssen trocknen lassen.
Warum klebt der Guss an der Gipsform?
Meist ist die Form zu nass oder fettig. Lassen Sie sie gründlich trocknen und verwenden Sie beim Gießen kein fettiges Trennmittel.







